Was kommt nach dem Regietheater? (Podcast)

März 5, 2025
1 min read

Der Dramaturg Kornelius Paede und Axel Brüggemann diskutieren die Relevanz des Regietheaters und die Notwendigkeit, den Theaterbegriff neu zu denken.

Hier der Podcast für apple Podcast und alle anderen Player

Nach seinem Essay über das Regietheater unterhält Axel Brüggemann sich mit Kornelius Paede darüber, wohin das Theater sich in Zukunft bewegen könnte.

Regietheater-Debatte überwinden: Paede betont, dass die ständige Diskussion über Regietheater überholt ist. Stattdessen sollten dringendere Fragen nach der Relevanz des Musiktheaters, seinen Strukturen und alternativen Spielorten diskutiert werden.

Realität als Bühne: Laut Paede ist die reale Welt, insbesondere die Politik, oft theatralischer als das traditionelle Theater. Er fragt, wie Theater auf diese Verschiebung reagieren und einen Bezug zur Realität herstellen kann.

Interpretationskulturen: Paede erklärt, dass es im Theater zwei unterschiedliche Interpretationskulturen gibt: Intention und Buchstabentreue. Er argumentiert, dass ein Missverständnis zwischen diesen Kulturen besteht, das überwunden werden sollte.

Theater als Diskursraum: Brüggemann und Paede diskutieren, ob das Theater als politischer Diskursraum an Attraktivität verloren hat. Paede schlägt vor, dass Theater aus seiner Komfortzone heraustreten und sich für neue Formen öffnen muss, um relevant zu bleiben.

Schlingensief als Vorbild: Brüggemann und Paede erwähnen Christoph Schlingensief als einen Künstler, der die Grenzen zwischen Theater und Realität verschwommen hat. Seine Aktionen, wie „Ausländer raus“, haben gezeigt, wie Theater politisch wirken kann.

Ästhetisierung des Lebens: Paede verweist auf den Kunstwissenschaftler Wolfgang Ulrich, der argumentiert, dass die Vorstellungen von Ästhetik sich verändert haben und das Theater neben anderen Lebensbereichen steht.

Neue Aufgabe des Theaters: Päde und Paede betonen, dass das Theater eine neue Aufgabe finden muss, da die traditionellen Formen des politischen Theaters nicht mehr die gleiche Wirkung erzielen. Sie schlagen vor, dass Theater lernen muss, mit den „Gefühlspolitiken“ umzugehen und eine neue Art von Leichtigkeit und Überlegenheit zu demonstrieren.

Zusammenarbeit und Öffnung: Paede schlägt vor, dass Theater sich für Kooperationen mit anderen Kulturbereichen öffnen sollte, insbesondere mit der Popkultur. Er betont, dass es wichtig ist, Privilegien abzugeben und andere Kulturen in ihrer Eigengesetzlichkeit zu akzeptieren.

Digitale Kultur: Brüggemann kritisiert, dass das Digitaltheater oft hinter den Entwicklungen in der digitalen Welt zurückbleibt. Paede ergänzt, dass Theater digitale Kulturtechniken nicht als etwas Anderes betrachten darf, sondern als eine eigenständige Form.

Neuanfang: Am Ende des Gesprächs betonen Paede und Brüggemann die Notwendigkeit, den Theaterbegriff neu zu denken und die Chance zu nutzen, eine »große leere Welt« neu zu bespielen. Paede schließt mit dem Plädoyer, das Theater nicht mit den Regeln der Großväter zu bespielen, sondern radikal neue Wege zu gehen.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Buhs zur »Todesfuge«?

Samstagabend im Stuttgarter Opernhaus: Es gibt Zwischenrufe in der »Meistersinger«-Premiere, ausgerechnet in der »Todesfuge«. Versuch einer Einordnung von Johannes Lachermeier.

Lieber Simon Strauß,

vollkommen legitim, dass Sie Ihre FAZ-Feder spitzen, um Intendant Hinterhäuser im Amt zu halten. Merkwürdig nur, wie Sie das tun: Sie wittern eine Intrige gegen den kongenialen »König« und schieben die Schuld

Der auf den Grenzen tanzt

Biografie eines genialen Exzentrikers: »Pianist – Musiker – Freigeist« heißt ein Buch, in dem sich der Musikwissenschaftler Rüdiger Albrecht den ganz unterschiedlichen Facetten von Friedrich Gulda widmet. Ein exklusiver Vorabdruck bei BackstageClassical.

Dear Yannick Nézet-Séguin,

The conductor defends the clumsy waltz version of Florence Price at the New Year’s Concert — and in doing so also reveals himself.

Tenor Aaron Pegram verstorben

Die Semperoper Dresden trauert um den Tenor Aaron Pegram. Wie das Opernhaus am Montag mitteilte, starb das langjährige Ensemblemitglied am Sonntag in Dresden völlig unerwartet. Pegram gehörte seit der Spielzeit 2009/10 zum

Schlittenfahren mit der Musik 

heute mit einem Neujahrsschwindel, weiteren Entlassungen in der Musikkritik, mit Blicken hinter die Salzburger Festspiel-Kulissen und einer sportlichen Enttäuschung.

Lieber Daniel Froschauer,

Der Vorstand der Wiener Philharmoniker weist Kritik am Arrangement von Florence Prices »Rainbow Waltz« zurück – und macht die Sache damit nur noch schlimmer.

Lieber Michael Andor Brodeur,

Sie sind die gewissenhafte Klassikstimme der Washington Post. Keiner, der große Themen ausgräbt, der Musik in die Mitte der Gesellschaft stellt – aber ein guter Kritiker. Einer der alten Schule.  Nun müssen Sie

Verpassen Sie nicht ...