Lieber Jackie Chan,

Juni 3, 2026
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ich bin’s noch mal, der Brüggi. Vor einigen Wochen habe ich mich gefreut, dass ausgerechnet Sie Puccinis Oper Turandot für das Festival in Torre del Lago inszenieren: ein bisschen Tai-Chi und Kung-Fu. Dirigiert von Marco Armiliato – mit Roberto Alagna und Pretty Yende als Liu.

Doch jetzt schrecke ich ein bisschen zusammen. Die Oper ist eine Koproduktion mit China, unter anderem auch mit dem großen Theater von Chengdu. Und da stand jemand anderes am Pult: Putin-Propagandist und Kriegsbefürworter Valery Gergiev! Der war sich nicht einmal zu schade, eine Einheit aus Chinas National Symphony Orchestra und dem Mariinsky-Ensemble zu dirigieren.

Ausgerechnet in Turandot. Dem Märchen um den brutalen Hof der blutrünstigen Königin, die keine Liebe kennt. Ich habe noch einmal nachgelesen, etwa in der Süddeutschen. Da haben Sie einmal gesagt: »Zu viel Freiheit kann zu großem Chaos führen« und »Wenn uns keiner kontrolliert, dann tun wir einfach, was wir wollen.«

Lieber Jackie Chan, ich muss mich korrigieren. Ich habe nicht durchschaut, dass Ihre Inszenierung von Turandot eigentlich eine Art China-Russland-Propaganda ist. Ich bin mir auch nicht sicher, ob das Roberto Alagna und Pretty Yende klar war. Ich werde sie mal anfragen. Mir ist auf jeden Fall die Lust auf Torre del Lago vergangen.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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