Bayreuth wartet weiter auf Geschäftsführer

Mai 29, 2026
1 min read
Das Bayreuther Festspielhaus im Regen (Foto: BC)

Unklare Zuständigkeiten und offene Governance-Fragen verzögern die Berufung von Matthias Rädel als General Manager in Bayreuth. Verträge sind erst nach finaler Organisationsreform möglich; Streitpunkt bleibt die Machtverteilung zwischen künstlerischer Leitung und Geschäftsführung.

English summary: Unclear responsibilities and unresolved governance issues are delaying Matthias Rädel’s appointment as Bayreuth’s general manager. Contracts await final structural reform, with tensions centering on the division of authority between artistic leadership and executive management..

Ungeklärte Zuständigkeiten, offene Governance-Fragen und eine noch nicht abgeschlossene Neufassung der Geschäfts- und Finanzordnung verzögern die Berufung des designierten General Managers der Bayreuther Festspiele, Matthias Rädel. Auf Anfrage des Nordbayerischen Kuriers befinde sich die neue Organisationsstruktur zwar in der »Endabstimmung«, Verträge könnten jedoch erst nach deren finaler Ausgestaltung abgeschlossen werden.

Kern der Verzögerung sei die künftige Macht- und Aufgabenverteilung zwischen künstlerischer Leitung und kaufmännischer Führung. Während der General Manager künftig die vollständige Geschäftsführung übernehmen soll, wird die Festspielleitung eigenverantwortlich für den künstlerischen Bereich zuständig sein. Katharina Wagner soll dafür ein eigenes Budget direkt von den Gesellschaftern erhalten sowie »volle künstlerische Freiheit«. Daraus ergeben sich nach dem Bericht des Nordbayerischen Kuriers komplexe Abgrenzungsfragen, etwa bei Vertragsabschlüssen, Budgetverantwortung und finanziellen Risiken.

Vielschichtige Baustelle

Hinzu kommen strukturelle und finanzielle Herausforderungen: steigende Produktionskosten, Tarifabschlüsse, Energiepreise und Inflation erhöhen den Druck auf den Festspielbetrieb. Gleichzeitig gilt Bayreuth mit seinen mehreren Gesellschaftern und historisch gewachsenen Strukturen als organisatorisch besonders komplex. Auch die Neuordnung der Gesellschafteranteile – mit einem gestärkten Einfluss des Bundes – spielt bei der Reform eine Rolle.

Vor diesem Hintergrund hat Matthias Rädel sein Amt auch fast ein halbes Jahr nach dem ursprünglich geplanten Start zum 1. Januar 2026 noch nicht angetreten. Die Geschäfte führt weiterhin interimistisch Heinz-Dieter Sense.

Als Rädel im Sommer 2025 vorgestellt wurde, war von einem Aufbruch die Rede. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (CDU), Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) und Festspielleiterin Katharina Wagner präsentierten ihn als erfahrenen Kulturmanager, der die wirtschaftliche Steuerung übernehmen und die Strukturen modernisieren soll. Geplant war eine klare Doppelspitze aus künstlerischer und kaufmännischer Leitung.

Hinter den Kulissen – auch das berichtet der Nordbayerische Kurier – soll es Vorbehalte gegen Rädel geben, die öffentlich allerdings zurückgewiesen werden. Georg Freiherr von Waldenfels, Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, betonte gegenüber der Zeitung, es gebe »keine Kontroverse« und verwies auf einen einstimmigen Beschluss.

Bund und Freistaat halten dem Vernehmen nach an Rädel fest. Der Verwaltungsrat stehe in engem Austausch mit ihm und Wagner, teilte das Ministerium mit. Ziel sei es, die neue Struktur sowie den Wechsel in der Geschäftsführung nach den diesjährigen Jubiläumsfestspielen in Kraft zu setzen.

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