Lieber Peter Thiel,

Mai 30, 2026
1 min read
Ein Gast löst sich auf: Peter Thiel verschwindet von Milo Raus Einladungsliste (Bild: KI)

Sie finden die Demokratie beknackt, und Wettbewerb ist etwas für Loser – nur Monopole von echt geilen Typen wie Ihnen seien das einzig Wahre.

Ich weiß nicht, was Festwochen-Intendant Milo Rau geritten hat, Sie zur Debatte einzuladen in seinem immer lächerlicheren Demokratie-Simulationsspiel. Vor zwei Jahren musste er Dirigent Teodor Currentzis wieder ausladen, weil der Druck zu groß wurde, dieses Jahr müssen Sie über die Klinge springen.

Vielleicht mögen Sie deshalb keinen Wettbewerb und keine Demokratie, weil die Mehrheit der Menschen eben noch ein bisschen Verstand, vor allen Dingen aber Menschlichkeit hat und Leute wie Sie am Ende doch in die Schranken weist.

Sie werden die Absage verkraften. Rau-Freunde plappern derweil von »Deplatforming«, aber Plattformen haben Sie ja genug. Ob Milo Rau dieses Mal auch so ungeschoren davon kommt?

Sein kleingeistiges Provokationstheater scheint irgendwie am Ende. Ein österreichisches Satiremagazin hat schon spekuliert, ob er bald Anders Behring Breivik oder Ghislaine Maxwell einlädt, um ihre Motivation ein bisschen besser zu verstehen. Raus Schema ist das immer Gleiche: Da wird mit allerhand Testosteron irgendein Skandal gesucht – und dann am Ende der Schwanz eingezogen.

Lieber Peter Thiel, vielleicht sind Sie aber auch Monopolist darin, Leute, die Ihrer undemokratischen Weltsicht eine Plattform geben, am Ende in die Apokalypse zu stoßen: Rau scheint schon zu stolpern und Trump wackelt ebenfalls – ist die Welt am Ende vielleicht gar nicht so dumm, wie Sie glauben?

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Neue Intendanz rein! Altes Ensemble raus?

Heute Abend protestierten Künstlerinnen und Künstler in Düsseldorf auf offener Bühne gegen Vertragskündigungen durch die neue Intendantin Ina Karr. Und auch in Münster wird gegen den Kurs des designierten Intendanten Neil Barry

Die 5 der Woche: Zwischen Meeresrausch und Orgelwahn

Fünf neue Aufnahmen, fünf kleine Abenteuer: Vaughan Williams zwischen Meer und Monument, Galuppis Geschlechterkampf auf der Operninsel, Kopatchinskaja und Say im kontrollierten Wahnsinn, Hans Winterberg als große Wiederentdeckung – und Alkan mit

Lob und Kritik : Thielemann bleibt bis 2034 in Berlin

Die Berliner Staatsoper verlängert die Verträge von Christian Thielemann und Elisabeth Sobotka. Doch die Entscheidung ist nicht unumstritten: Kritik gibt es am Zeitpunkt, an Thielemanns künstlerischer Ausrichtung und zuletzt auch an leeren

Liebe Anne, Gemütlichkeit ist keine Kunst!

BRSO-Musikerin Anne Schoenholtz wirft Axel Brüggemann auf Instagram mangelnden Respekt vor Simon Rattle vor. Hier antwortet der Autor mit einem Brief über die Kunst der Polemik, die Wohlfühlwelt der Orchester und die

Vom Kopf auf die Füße?

In den letzten Wochen ist bei BackstageClassical die Welt der Vorsingen für Opernhäuser unter die Lupe genommen worden. Hier schreibt der Geschäftsführende Dramaturg der Oper Rostock, Stephan Knies, warum derartige Wettbewerbe gar

Gefangen in der Erinnerung

Die Hölle hat ein Gedächtnis. In ihr wird das Vergangene zur dauernden Gegenwart. Pascal Dusapins »Il Viaggio, Dante« macht diese Wiederkehr an der Staatsoper Hannover zu einer bemerkenswerten Theatererfahrung: Claus Guths Inszenierung

Verpassen Sie nicht ...