Neue Wege für Orchester: Programme, Publikum und Perspektiven

Juni 5, 2026
1 min read
Symphonie Mob des DSO (Foto: Pracht)

Mehr Vielfalt, mehr Daten, weniger starre Karrieren: Im Podcast »Takt & taktlos« zeigt die Branche, wie radikal sich Orchester neu erfinden müssen, um ihr Publikum von morgen zu erreichen.

English summary: At German Orchestra Day, hosts Hanna Schmidt and Axel Brügemann discuss music’s future. Guests Marlene Brüggen, Anselm Rose, and Andrea Tober explore feminist programming, AI marketing, and education reform to adapt to a changing landscape

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Mehr Vielfalt in den Programmen, gezielter KI-Einsatz im Marketing und neue Ausbildungsmodelle: Beim Podcast „Takt & taktlos“ diskutieren Branchenvertreter am Rande des Deutschen Orchestertages zentrale Zukunftsfragen des Musikbetriebs.

Marlene Brüggen, Leiterin der künstlerischen Planung beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin (DSO), zieht eine positive Bilanz der Initiative „Kein Konzert ohne Komponistin“. Trotz teils heftiger Kritik in sozialen Netzwerken erreicht das Orchester die höchste Auslastung seiner Geschichte. Repräsentation sei jedoch nur ein erster Schritt, betont Brüggen. Projekte wie „Composing While Black“ und die kommende Saison unter dem Motto „Ach Mensch“ zielen auf eine stärkere intersektionale Vielfalt und gesellschaftliche Reflexion.

Anselm Rose, Geschäftsführer der Rundfunk-Orchester und -Chöre Berlin (ROC), sieht in der Digitalisierung eine strategische Notwendigkeit. Derzeit entwickelt man ein KI-gestütztes System zur gezielteren Ticketvermarktung. Mithilfe von „Taste Clustern“ sollen neue Publikumsschichten erschlossen werden, die über klassische Abonnements kaum erreichbar sind. Die künstlerische Entscheidungshoheit bleibt jedoch ausdrücklich beim Menschen.

Andrea Tober, Rektorin der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, verweist auf einen Wandel in den Berufsvorstellungen junger Musiker. Starre Orchesterstellen verlieren an Attraktivität, während flexible „Patchwork“-Karrieren an Bedeutung gewinnen. Ausbildungsinstitutionen müssen darauf reagieren und Exzellenz neu definieren – über technische Perfektion hinaus.

Einigkeit besteht darin, dass programmatische Öffnung, datenbasiertes Marketing und flexiblere Strukturen entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Musikbetrieb

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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