Stirbt die Kulturkritik?

April 22, 2025
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Was ist los mit unserem Julturjournalismus (Foto: BC)

BRSO-Intendant Nikolaus Pont befürchtet im BackstageClassical-Podcast Einschnitte in der Kulturberichterstattung der »Süddeutschen Zeitung« und debattiert Zukunftsperspektiven.

English summary: Nikolaus Pont, director of the Bavarian Radio Symphony Orchestra, voiced concern over potential cuts in cultural coverage by Süddeutsche Zeitung. He sees this as part of a broader decline in cultural criticism and warns against replacing serious critique with self-promotion. He urges continued media engagement, stressing the societal value of classical music and public discourse.

Hier zum Podcast für alle Player oder zu apple.

München (BC) – Nikolaus Pont, der Intendant des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO), hat sich besorgt über mögliche Kürzungen in der Kulturberichterstattung der Süddeutschen Zeitung (SZ) geäußert. In einem Brief an Veranstalter in und um München habe er seine Befürchtungen zum Ausdruck gebracht und um Sensibilisierung für dieses Thema gebeten.

Pont bestätigte in einem Gespräch mit dem Podcast von Backstage Classical einen entsprechenden Informationsaustausch mit Kollegen im Münchner Veranstalterkreis. Er sei überrascht gewesen von der Information, dass Konzertrezensionen in der SZ deutlich reduziert werden sollen. Dies habe ihn dazu bewogen, die betroffenen Personen zu informieren, da er dies als einen »kompletten Richtungswechsel« ansehe.

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Der BRSO-Intendant betonte, dass dieser Trend einer Schwächung der Kulturkritik nicht nur ein lokales Problem Münchens sei, sondern gesamtgesellschaftlich beobachtet werden könne. Er sehe darin eine Parallele zu einem allgemeinen Wandel im Medienkonsum und der Bewertung von Nachrichten. Gleichzeitig hob er die »privilegierte« Situation Münchens hervor, die bisher von einer vergleichsweise breiten Medienlandschaft mit regelmäßigen Rezensionen klassischer Konzerte geprägt gewesen sei. Namen wie Joachim Kaiser und Wolf-Eberhard von Lewinski seien eng mit der Musikkritik der Süddeutschen Zeitung verbunden.

Pont wies darauf hin, dass die Bedeutung der klassischen Musik in der Gesellschaft möglicherweise abnehme, was sich auch im Medieninteresse widerspiegele. Er fragte, ob der Wert von Konzertrezensionen tatsächlich deshalb geringer eingeschätzt werden könne, nur weil sie weniger gelesen würden. Seiner Ansicht nach spiele eher eine Rolle, wie Medien generell die Bedeutung von Inhalten bewerten, die nicht zu den Top-Klickzahlen gehören. Es wäre »zu kurz gegriffen« zu behaupten, früher hätten sich die Menschen massenhaft für Konzertkritiken interessiert und heute niemanden mehr.

Gleichzeitig beobachtet Pont, dass Kulturinstitutionen zunehmend selbst zu Medien werden, etwa durch Social-Media-Aktivitäten und die Inszenierung von Diskursen, beispielsweise durch Kritikergespräche nach Aufführungen. Er warnte jedoch vor einer reinen »Selbstinszenierung«, bei der man primär versuche, sich selbst ins Gespräch zu bringen, und dabei die Seriosität verlieren könne.

Trotz der veränderten Medienlandschaft hält Pont die »kritische und zwar sehr kritische« Auseinandersetzung mit dem Kulturgeschehen für essentiell, gerade für öffentlich finanzierte Institutionen wie das BRSO. Es gehe darum, dass das, was in den Konzerten passiere, von einer relevanten Anzahl von Menschen beachtet, beobachtet und eben auch durch öffentliche Gelder mitfinanziert werde. Er kämpfe weiterhin darum, dass Medien wie die Süddeutsche Zeitung die Relevanz ihrer Arbeit so einschätzen, dass sie regelmäßig darüber berichten. Dies habe nichts mit einem »krampfhaften Festhalten an dem, was mal war« zu tun, aber dieser Aspekt dürfe nicht aus den Augen verloren werden.

Mit Blick in die Zukunft räumte Pont ein, dass eine präzise Vorhersage schwerfalle. Klar sei jedoch, dass es nicht so bleiben werde wie bisher. Kulturveranstalter müssten den »richtigen Mittelweg finden zwischen dem direkten Weg zu unserem Publikum und unserem auch potenziellen Publikum«. Eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit und ein besseres Kennenlernen des Publikums, etwa durch Customer-Relationship-Management-Systeme (CRM), seien notwendig. Gleichzeitig müsse die Qualität des Kerngeschäfts, also der Konzerte selbst, erhalten bleiben.

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