Erst wurde die Bayreuther Kulturreferentin gefeuert, nun ein Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten abgesagt. Und die Untersuchungen laufen weiter.
Die Stadt Bayreuth hat die geplante Festmeile zum 150-jährigen Jubiläum der Richard-Wagner-Festspiele kurzfristig abgesagt. Die Veranstaltung, die am 25. und 26. Juli auf dem Luitpoldplatz stattfinden sollte und als Höhepunkt des Jubiläumsprogramms vorgesehen war, könne aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden, teilte die Stadt am Freitagnachmittag mit.
Oberbürgermeister Andreas Zippel (SPD) begründete die Entscheidung mit »überraschend großen Deckungslücken« in den Planungen. Nach Durchsicht der Unterlagen seien erhebliche Finanzierungslücken festgestellt worden, die eine Durchführung in der vorgesehenen Form nicht mehr vertretbar machten. Angesichts anderer prioritärer Aufgaben der Stadt – darunter Investitionen in Schulen, Kinderbetreuung und das Klinikum – habe man sich zu dem Schritt gezwungen gesehen.
Die Absage betrifft eines der zentralen Elemente des Programms »150 Jahre Bayreuther Festspiele«. Die Festmeile sollte als öffentlich zugängliches Großereignis Besucherinnen und Besucher in die Innenstadt ziehen und das Jubiläum auch außerhalb des Festspielhauses sichtbar machen. Nach Informationen von BackstageClassical soll die Oberfrankenstiftung am Ende die Reißleine gezogen haben. Sie hatte 1,5 Millionen Euro für das Festjahr zugesteuert, die Stadt legte 150.000 und noch einmal 70.000 Euro obendrauf.
Zippel betonte, die Entscheidung sei »sehr schweren Herzens« getroffen worden. Sie sei jedoch im Sinne einer verantwortungsvollen Haushaltspolitik unumgänglich gewesen. Gleichzeitig stellte er weitere Einschnitte in Aussicht: Auch andere Programmpunkte des Jubiläums könnten noch auf den Prüfstand kommen. Details dazu sollen nach weiteren Beratungen folgen.
Die finanzielle Lage und mögliche Anpassungen des Gesamtprogramms sollen in den kommenden Wochen in den städtischen Gremien behandelt werden. Der Oberbürgermeister kündigte an, den Haupt- und Finanzausschuss am 17. Juni sowie den Stadtrat am 24. Juni umfassend über die Hintergründe zu informieren. In diesem Zuge soll auch über die weitere Ausgestaltung der Jubiläumsfeierlichkeiten entschieden werden.
Erst vor einer Woche wurde bekannt, dass die Kulturreferentin Bayreuths, Eva Christina Bär vor vier Wochen freigestellt wurde, nach nur rund eineinhalb Jahren im Amt. Sowohl die Stadt als auch Bär hätten Anwälte eingeschaltet, bestätigte die Verwaltung. Zu den Hintergründen äußert sich die Stadt unter Verweis auf ein laufendes Personalverfahren und den Schutz der Mitarbeiterin nicht.
Nach Medienberichten stehen Vorwürfe zu Arbeitszeiten und Präsenz im Raum, die teils bereits aus der Amtszeit des früheren Oberbürgermeisters Thomas Ebersberger stammen sollen. Bär selbst äußerte sich bislang nicht öffentlich. In der konstituierenden Stadtratssitzung im Mai soll der Fall im nichtöffentlichen Teil behandelt worden sein. Unter Oberbürgermeister Andreas Zippel soll das Verfahren nun abgeschlossen werden. Im politischen Umfeld werden zudem strukturelle Probleme und mögliche Machtkonflikte innerhalb der Verwaltung diskutiert. In diesem Zusammenhang wird auch die verzögerte Eröffnung des Friedrichsforums genannt, deren Ursachen jedoch weit vor Bärs Amtszeit liegen.

