Das kleine KI Musik-Experiment

April 18, 2024
2 mins read
KI in der Musik ist nicht mehr aufzuhalten (Bild: KI per DaVinci)

Alle reden über KI in der Musik. Wie weit ist sie? Wir haben experimentiert und vier Versionen eines Songs in Auftrag gegeben und einen Komponisten gefragt – der ist schockiert.

KI in der Musik wurde lange vernachlässigt. Auch deshalb, weil künstliche Intelligenz sich mit der Musik besonders schwer tut. KI-Forscher Ali Nikrang sagte im Podcast Alles klar, Klassik?, dass man am Anfang der KI-Forschung sehr auf künstliche Intelligenz beim Komponieren gesetzt habe, aber schnell klar wurde: Es ist für Computerprogramme wesentlich leichter, logische Texte zu generieren oder Bilder zu animieren als 12 Töne sinnvoll miteinander zu verbinden. Und Nikrang prophezeit, dass es auch noch dauern werde, bis ein Programm ganze Stücke sinnvoll selber komponieren wird.

Mit kleinen Musikwerken kommt die KI bereits bestens zurecht. Dabei stellen sich inzwischen in erster Linie rechtliche Fragen: Programme speisen ihr Wissen oft aus bestehenden Musikstücken, lernen anhand bereits existierender Kompositionen, erstellen Schablonen für unterschiedliche Genres und mischen sie für neue Anfragen wieder zusammen. Die Ergebnisse sind von unterschiedlicher Qualität.

Ich habe das Experiment mit einem Text über BackstageClassical gemacht, den ich bei SUNO eingegeben habe, und aus dem Musik werden sollte: »BackstageClassical: Das Magazin für klassische Musik. Kritisch, unabhängig, frei. Worüber die Welt der Klassik spricht.« Zunächst wollte ich meinen Text in einer Soft-Punk-Version hören:

Auch Punk-Musik kennt die KI (Bild: KI per DaVinci)
Oben die Punk-Version von BackstageClassical

Danach bat ich die KI, den gleichen Text als Oper auszuwerfen – und erhielt zwei unterschiedliche Ergebnisse:

Die erste Opern-Version von Backstage Classical
Die zweite Opern-Version von BackstageClassical
Mensch und Computer – in der Musik noch schwierig (Bild: KI per DaVinci)

Schließlich wollte ich den Text noch als klassisches Lied hören.

Die Version »Lied« von BackstageClassical

Die Möglichkeiten der Eingabe sind unendlich – die Ergebnisse allerdings alles andere als ausgereift. Ich habe dem Komponisten Alexander Strauch die Songs geschickt und ihn um eine kurze Stellungnahme gebeten. Zurück kam eine Nachricht größter Enttäuschung:

»Fünf Minuten Lebenszeit verloren!«, schrieb mir Strauch. »Man fragt sich: Wussten die Rechteinhaber der Input-Audioaufnahmen über deren Verwendung Bescheid? Oder wird da die Urheber-Hütte brennen? Oper und Lied sind verrauscht und verhaspelt im Gesang und in der Textverteilung. Das Orchester: geht so. Der Punk ist hier als Trash zu hören, in der Textverständlichkeit noch am besten… würde Suno so sinnig den Textinhalt erkennen, wie es seine Songbilder kreiert (der Anbieter Suno gestaltet Cover für jeden Song), dann dürfen wir uns fürchten.« Strauch fasst zusammen: »Man kann nur selber kreativer werden und das Live-Erlebnis betonen.«

Inzwsischen hat Alexander Strauch einen sehr lesenswerten Text über KI in der Musik im Bad Block of Musick geschrieben. Unter anderem heißt es dort: »So sehr die Outputs der Mainstream-Stilistiken erstaunlich lebensecht wirken, so kann man nur hoffen, dass nicht reihenweise Urheberrechte und Leistungsschutzrechte über viele Jahrzehnte hinweg beim Input verletzt worden sind. Aber wie dem RollingStone der Investor Rodriguez erzählte, scheint es eher keine Vereinbarungen mit Labels und Musikschaffenden gegeben zu haben.«

KI in der Musik scheint derzeit noch so etwas wie ein wilder Westen zu sein. Die Beispiele oben zeigen allerdings schon jetzt, dass die Entwicklung nicht mehr zu bremsen ist – um so wichtiger ist es, sie zu kanalisieren.

Podcast zum Thema künstliche Intelligenz

Unsere Kritik für das KI-Programm SUNO:

★★★☆☆

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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