Boston erklärt die Entlassung von Nelsons

Juli 7, 2026
1 min read
Andris Nelsons beim Gewandhaus (Foto: Gerber)

Geschäftsführer Chad Smith erklärt, dass der Dirigent die Öffnung zum Publikum nicht mitgehen wollte – das Orchester stand trotzdem auf der Seite Nelsons.

Das Boston Symphony Orchestra (BSO) hat erstmals ausführlicher begründet, warum der Vertrag mit seinem Chefdirigenten Andris Nelsons nicht verlängert wird. Präsident und Geschäftsführer Chad Smith sagte dem Sender GBH News, Orchester und Dirigent seien bei der langfristigen strategischen Ausrichtung nicht mehr auf einer Linie gewesen.

Das Orchester müsse die Stadt Boston und ihre Bevölkerung künftig breiter und inklusiver ansprechen, sagte Smith. Angesichts deutlicher Rückgänge in mehreren Bereichen habe der Vorstand die langfristige Strategie des BSO neu bewertet. Dabei gehe es unter anderem darum, welche Programme auf die Bühne kämen, welche Stimmen gehört und welche Geschichten erzählt würden. Zugleich solle der klassische Kanon weiterhin im Zentrum stehen.

Während der Vertragsgespräche und der strategischen Planung sei deutlich geworden, dass Nelsons den eingeschlagenen Kurs insbesondere mit Blick auf eine breitere Ansprache der Bevölkerung nicht unterstütze, sagte Smith. Ohne eine gemeinsame Vision von Vorstand, Management und künstlerischer Leitung habe sich der Vorstand gegen eine Vertragsverlängerung entschieden.

Smith räumte zugleich ein, dass sich viele Orchestermitglieder eine Verlängerung mit Nelsons gewünscht hätten. Die Entscheidung hatte nach ihrer Bekanntgabe im März Kritik bei Musikern, Publikum und Unterstützern ausgelöst. Petitionen forderten den Vorstand auf, sie rückgängig zu machen.

Der Vertrag des lettischen Dirigenten läuft nach der Tanglewood-Saison 2027 aus. Nelsons ist seit 2014 Chefdirigent des BSO. Er hatte erklärt, die Entscheidung weder erwartet noch gewollt zu haben, werde seine Aufgaben aber bis zum Vertragsende erfüllen.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Der neue Kritiker-Deal

Früher genügte eine Mail, und die Pressekarte war sicher. Heute sortieren Veranstalter aus – und alte Gewissheiten geraten ins Wanken. Doch wer Kulturberichterstattung jahrelang abbaut, sollte sich nicht wundern, wenn irgendwann die

Die große Klassik-Lüge

Der Newsletter von BackstageClassical: heute mit prominenter Kritik am Opern-Zirkus, einer spielerischen Wagner-Gaudi und der Frage, wie gut uns der allgemeine Jugendwahn tut.

»Die Oper wird schrumpfen«

Benjamin Bernheim kritisiert den Klassik-Betrieb: Willkürliche Produktionsbedingungen und die Angst vor dem Bedeutungsverlust führen zu absurden Panikreaktionen. Der Tenor plädiert für mehr Qualität, Mut zur Authentizität und dafür, das Schrumpfen des Marktes

»Ro!«, Herheim, »Ro!«

Das Theater an der Wien ist in einer künstlerischen und finanziellen Krise. Zeit, den Anschluss an die Menschen zu gewinnen. Es steht symbolisch für einen Kulturbetrieb in Zeiten des Spardrucks. 

The End of Noise

Der langjährige Musikkritiker des New Yorker, Alex Ross, gibt nach 30 Jahren seinen Posten auf. Der 56-Jährige kündigte an, sich als leitender Musikkritiker des Magazins zurückzuziehen, der Redaktion jedoch als Autor für längere

Franz Schuberts Himmelfahrt

Hat Jacques Offenbach eine Operette über Franz Schubert geplant? Die Geschichte eines vermeintlich verschollenen Bühnenwerks. Klemens Renoldner über seine Arbeit an seinem Roman »Die Wolken von beiden Seiten gesehen«.

Techno rettet keine Tonhalle

Die Klassik entdeckt den Techno, verteilt QR-Codes statt Programmhefte und gründet Clubs für junges Publikum. Unser Autor ist 22 und wendet sich an Ilona Schmiel. Gedanken über missverstandene Kulturvermittlung, die Liebe zur

Liebe Andrea Zietzschmann,

Wir hatten es letzten Donnerstag bereits vermutet – nun ist es offiziell: Andrea Zietschmann wird die Berliner Philharmoniker als Intendantin verlassen. Das ist schade. Für Berlin.

Verpassen Sie nicht ...