Geschäftsführer Chad Smith erklärt, dass der Dirigent die Öffnung zum Publikum nicht mitgehen wollte – das Orchester stand trotzdem auf der Seite Nelsons.
Das Boston Symphony Orchestra (BSO) hat erstmals ausführlicher begründet, warum der Vertrag mit seinem Chefdirigenten Andris Nelsons nicht verlängert wird. Präsident und Geschäftsführer Chad Smith sagte dem Sender GBH News, Orchester und Dirigent seien bei der langfristigen strategischen Ausrichtung nicht mehr auf einer Linie gewesen.
Das Orchester müsse die Stadt Boston und ihre Bevölkerung künftig breiter und inklusiver ansprechen, sagte Smith. Angesichts deutlicher Rückgänge in mehreren Bereichen habe der Vorstand die langfristige Strategie des BSO neu bewertet. Dabei gehe es unter anderem darum, welche Programme auf die Bühne kämen, welche Stimmen gehört und welche Geschichten erzählt würden. Zugleich solle der klassische Kanon weiterhin im Zentrum stehen.
Während der Vertragsgespräche und der strategischen Planung sei deutlich geworden, dass Nelsons den eingeschlagenen Kurs insbesondere mit Blick auf eine breitere Ansprache der Bevölkerung nicht unterstütze, sagte Smith. Ohne eine gemeinsame Vision von Vorstand, Management und künstlerischer Leitung habe sich der Vorstand gegen eine Vertragsverlängerung entschieden.
Smith räumte zugleich ein, dass sich viele Orchestermitglieder eine Verlängerung mit Nelsons gewünscht hätten. Die Entscheidung hatte nach ihrer Bekanntgabe im März Kritik bei Musikern, Publikum und Unterstützern ausgelöst. Petitionen forderten den Vorstand auf, sie rückgängig zu machen.
Der Vertrag des lettischen Dirigenten läuft nach der Tanglewood-Saison 2027 aus. Nelsons ist seit 2014 Chefdirigent des BSO. Er hatte erklärt, die Entscheidung weder erwartet noch gewollt zu haben, werde seine Aufgaben aber bis zum Vertragsende erfüllen.

