»Haben Sie eine Badehose mit?«

Juli 1, 2026
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Hans Werner Henze und BackstageClassical Herausgeber Axel Brüggemann in Italien in den 1990ern (Foto: Privat)

Ein sehr persönliches Feature über den Komponisten, Menschen und Revoluzzer Hans Werner Henze zu dessen 100. Geburtstag am 1 Juli. 

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Mit einer Badehose fing alles an: Axel Brüggemann erinnert sich in einer Sonderausgabe des BackstageClassical-Podcasts an eine ungewöhnliche Begegnung mit dem Komponisten Hans Werner Henze. Anlass ist der 100. Geburtstag des Musikers am 1. Juli.

Das Treffen fand auf Henzes Anwesen im italienischen Marino bei Rom statt, gegenüber der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo. Brüggemann, damals noch am Beginn seiner journalistischen Laufbahn, wurde am Morgen seines Interviewtermins von einem Anruf geweckt. »Henze hier! Herr Brüggemann, haben Sie eine Badehose mit?«, habe der Komponist gefragt. Als Brüggemann verneinte, erklärte Henze ihm, dass man auch ohne Badebekleidung bei ihm schwimmen könne. Wenig später ließ er den Journalisten von einem Chauffeur abholen. Während des eintägigen Gesprächs hat Henze mit Sommerhut am Pool gesessen, während ihm sein Freund Fausto die Füße massierte.

Das Feature basiert auf Originalaufnahmen dieser Begegnung und zeichnet ein vielschichtiges Porträt des Komponisten. Henze spricht darin über seine bewusst unkonventionelle Position in der Musikwelt. Den strengen Dogmen der Darmstädter Schule oder den ästhetischen Vorgaben in Donaueschingen habe er sich stets entzogen. Stattdessen betonte er seine »lebendige und permanente Beziehung zu der Kunst der vergangenen Jahrhunderte« und bekannte sich offen zu Vorbildern wie Mozart und Bach.

Senisbilisierung der Seele

Zentral ist auch Henzes politisches Selbstverständnis. Der Komponist, der im Nationalsozialismus wegen seiner Homosexualität Repressionen ausgesetzt war, engagierte sich später politisch, trat der Kommunistischen Partei Italiens bei und hielt sich zeitweise in Kuba auf. Musik verstand er als Mittel zur »Sensibilisierung der menschlichen Seele« und als Beitrag zur Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Zugleich gewährt Henze persönliche Einblicke. Er spricht über das schwierige Verhältnis zu seinem Vater, der ihn auf eine SS-Schule schicken wollte, und über die Zerrüttung familiärer Bindungen nach dem Krieg. Auch seine enge Beziehung zur Dichterin Ingeborg Bachmann kommt zur Sprache: Henze erinnert sich an gemeinsamen Humor, eine beinahe geschlossene Ehe und äußert sich kritisch über deren Partner Max Frisch.

Das Porträt schießt mit Henzes Blick auf Alter und Vergänglichkeit. Musik sei für ihn ein »erreichbares Paradies« und ein »Liebesversprechen«, das ihm geholfen habe, die traumatischen Erfahrungen seiner Jugend zu verarbeiten.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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