»Ich gebe mir nicht die Kugel«

November 24, 2024
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Susanne Moser, Ko-Intendantin der Komischen Oper Berlin (Foto: Komische Oper, Windszus)

Baustopp, neun Prozent Einsparungen und weniger Tarif-Ausgleich: Die Ko-Intendantnin der Komischen Oper in Berlin, Susanne Moser, spricht im BackstageClassical-Gespräch darüber, wie es so weit kommen konnte – und will weiter kämpfen.

English summary: Susanne Moser, Co-Director of Berlin’s Komische Oper, criticizes plans by the Berlin government to cut €10 million from the theater’s renovation budget, halting construction. She warns this would cause a €250 million loss and four years of delays. Despite earlier assurances from officials, Moser learned of the cuts through the press. She vows to keep negotiating, despite her disappointment, to prevent the stoppage.

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Der aktuelle Sparplan der Berliner Regierung sieht vor, dass im kommenden Jahr 10 Millionen Euro für den Umbau der Komischen Oper eingespart und die Baustelle temporär stillgelegt werden soll. Die Ko-Intendantin des Hauses, Susanne Moser, erklärt im BackstageClassical-Podcast: »Es wird ein Schaden von 250 Millionen Euro entstehen, wenn man die 10 Millionen nun einspart. Das würde bedeuten, dass es eine vierjährige Bauverzögerung gäbe. Dabei dachte ich immer, dass die CDU eine Partei sei, die für wirtschaftliche Kompetenz stehe. Aber wie sollen wir den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern erklären, dass kurzfristige Einsparungen von 10 Millionen Euro letztlich für 250 Millionen Mehrkosten sorgen?«

»Ich habe vom Baustopp aus der Zeitung gehört«

Was Moser besonders irritiert, ist, dass es bereits Zusagen gab, dass der Umbau wie geplant  fortgesetzt würde – sowohl vom Regierenden Bürgermeister Kai Wegner als auch vom Kultursenator Joe Chialo. »Es gab im Vorfeld viele Gespräche«, sagt Moser, »in denen uns sowohl persönlich als auch öffentlich zugesagt wurde, dass es keinen Baustopp geben wird. Und wir sind davon ausgegangen, dass man sich auf diese Worte verlassen kann.« Das VAN Magazin zitierte gestern bereits Mosers Ko-Intendanten Philip Bröking mit den Worten: »Wir waren beim Regierenden Bürgermeister, der nach einem einstündigen Gespräch und Filterkaffee zu uns meinte: ›Sie dürfen diesen Raum beruhigt verlassen.‹« Das war offensichtlich eine glatte Lüge.

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Im Backstage-Classical-Podcast sagt Moser nun: »Danach hat niemand mehr mit mir gesprochen, sondern ich habe aus der Zeitung erfahren, dass auf der Kürzungsliste die Baurate für 2025 einfach ersatzlos gestrichen wurde. Und es sollen wohl auch die Raten für den Doppelhaushalt 2026/27 gestrichen werden.« Doch das ist noch nicht alles. Im Podcast erklärt Moser ebenfalls: »Wir haben auch erfahren, dass die Tarifsteigerungen zukünftig auch nicht mehr in vollem Umfang ausgeglichen werden sollen.« 

Und wie geht es nun weiter? »Wir werden uns nicht die Kugel geben«, sagt Moser, »wir werden weiter Gespräche führen. Auch weil in ganz Berlin Einsparungen von drei Milliarden Euro anstehen und der Kultur-Anteil dabei nur 2,5 Prozent beträgt.« Um so wichtiger, sagt Moser, sei es weiterhin Einzelgespräche zu führen, um den Baustopp zu verhindern. Auch, wenn die Vorgänge sie enttäuscht haben, »habe ich noch das Vertrauen, dass wir zu einer guten Lösung kommen werden«, sagt Moser.

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Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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