Statische Mängel am Düsseldorfer Opernhaus bringen kurz vor Saisonbeginn den Spielplan der Deutschen Oper am Rhein durcheinander. Mehrere Vorstellungen müssen abgesagt oder verschoben werden. Betroffen ist auch die für den 11. Oktober geplante Premiere von Richard Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg«.
English summary: Structural defects at the Düsseldorf Opera House are disrupting the Deutsche Oper am Rhein’s schedule just before the start of the new season. Several performances have had to be cancelled or postponed. Among those affected is the premiere of Richard Wagner’s »Die Meistersinger von Nürnberg«, scheduled for October 11.
Bei einer turnusmäßigen Sicherheitsüberprüfung während der Sommerpause seien Mängel an der Trägerkonstruktion im vorderen Bereich des Bühnenturms über dem Bühnenportal festgestellt worden, teilte die Stadt mit. Das zuständige Statikbüro habe deshalb keine Sicherheitsfreigabe für den Probe- und Spielbetrieb erteilt. Teile der betroffenen Konstruktion stammen größtenteils aus der Zeit der Wiedereröffnung des Opernhauses nach dem Zweiten Weltkrieg.
Das für den 13. September geplante Theaterfest zur Spielzeiteröffnung fällt aus. Abgesagt werden außerdem die gesamte Vorstellungsserie von Puccinis Madama Butterfly, zunächst zwei Vorstellungen von La Traviata sowie weitere Veranstaltungen. An einer vorübergehenden Sicherung der Trägerkonstruktion werde gearbeitet.
Debatte um die Zukunft
Die Schäden dürften auch die Debatte um die Zukunft des Düsseldorfer Opernhauses neu befeuern. Erst Anfang Juni hatte Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) die Planungen für das »Opernhaus der Zukunft« wegen der angespannten Haushaltslage gestoppt. Der Neubau war seit 2021 geplant worden und sollte zuletzt auf dem Gelände des ehemaligen Kaufhofs am Wehrhahn entstehen. Stattdessen soll nun das bestehende Haus an der Heinrich-Heine-Allee ertüchtigt und langfristig für den Spielbetrieb gesichert werden. Im Juli beendete der Stadtrat die Neubauplanungen endgültig.
Bereits nach dem Aus für den Neubau hatte die Deutsche Oper am Rhein vor den Folgen gewarnt. Düsseldorf habe »von einem Tag auf den anderen« eine konkrete Zukunftsperspektive für Oper, Ballett und Orchester verloren, hieß es damals. Auch die geplante Verbindung von Musiktheater, Musikschule und Musikbibliothek unter einem Dach sei damit vom Tisch. Die Oper verwies auf mehr als 180 Opern- und Ballettvorstellungen pro Saison und mehr als 180.000 Besucher allein in Düsseldorf. Besonders schwierig mach all das die Situation für die designierte Intendantin Ina Karr.
Auch auf BackstageClassical haben wie den Planungsstopp kontrovers diskutiert – unter anderem nach einem Kommentar des Chefredakteurs der Rheinischen Post, Moritz Döbler. Diese Seite widersprach insbesondere dem Argument, Düsseldorf könne angesichts der Opernhäuser in Köln, Duisburg, Dortmund oder Bonn auf ein eigenes Haus verzichten. Wenn jede Stadt bei notwendigen Sanierungen so argumentiere, so der Einwand, »leistet sich bald gar keiner mehr Oper«.
Der Düsseldorfer Rat hatte nach dem Neubau-Aus im Juni zunächst 2,75 Millionen Euro für die Planung zwingend notwendiger Arbeiten am bestehenden Haus bereitgestellt und die jährlichen Instandhaltungsmittel von einer auf 1,5 Millionen Euro erhöht. Zu den damals ausdrücklich genannten Maßnahmen gehörten bereits »statische Ertüchtigungen« am Bühnenturm. Die eigentlichen Bauarbeiten sollten nach damaliger Planung allerdings erst im dritten Quartal 2027 beginnen.
Dass nun ausgerechnet statische Mängel am Bühnenturm den Start der neuen Spielzeit verhindern, gibt dem Streit über die Zukunft des Opernhauses neue Brisanz.

