426 Millionen Euro für einen Neubau – oder bald gar keine Oper mehr? Die Finanzkrise in Bonn stellt plötzlich die Zukunft der städtischen Bühnen infrage. Im Stadtrat wird bereits über eine Schließung diskutiert.
Die angespannte Haushaltslage der Stadt Bonn könnte weitreichende Folgen für die Zukunft der städtischen Bühnen haben. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, wird im Stadtrat inzwischen auch über eine mögliche Schließung der Oper diskutiert. Eine Entscheidung ist bislang nicht gefallen.
Der Kulturausschuss hat am Donnerstag in nicht öffentlicher Sitzung über die geplante Verlängerung des Vertrags von Generalintendant Bernhard Helmich beraten. Sein bis 2028 laufender Vertrag sollte ursprünglich bis 2030 verlängert werden. Angesichts der Finanzlage steht inzwischen jedoch auch die Struktur der Bühnen grundsätzlich zur Debatte.
Die 1965 eröffnete Oper am Rheinufer ist sanierungsbedürftig. Im März hatte die Stadt fünf Varianten für die Zukunft der Bühnen vorgelegt und einen Neubau als Zweispartenhaus in Beuel favorisiert. Die Kosten wurden mit 426 Millionen Euro veranschlagt. Oberbürgermeister Guido Déus bezeichnete den Neubau damals als »einzige realistische Möglichkeit«, Oper und Schauspiel ohne Abstriche zu erhalten. Die Konzentration in Beuel verbinde finanzielle Vernunft mit der Perspektive eines modernen Theaters. Ein Ratsbeschluss aus dem vergangenen Jahr sah bislang den Erhalt beider Sparten vor.
Wie auf dieser Seite bereits berichtet, hatten sich im April auch Helmich, Generalmusikdirektor Dirk Kaftan und Beethovenfest-Intendant Steven Walter gemeinsam in die Debatte eingeschaltet. Sie warnten – unter anderem in einem Gastbeitrag bei BackstageClassical – davor, die Zukunft der Bonner Kultur auf Kosten, Standorte und Bauvolumen zu reduzieren. Bonn brauche ein gemeinsames kulturpolitisches Konzept, Vertrauen und eine klare Vision. Kultur sei nicht bloß ein Kostenfaktor, sondern eine gestaltende Kraft der Stadt. Zugleich mahnten sie eine Entscheidung an: Die bestehenden Gebäude könnten nur noch wenige Jahre betrieben werden.
Politisch war der Neubau in Beuel von Anfang an umstritten. Die Grünen erklärten, der Verlust des Schauspielhauses in Bad Godesberg und der Oper am Rhein wäre »ein Stich ins Herz«, wollten angesichts der finanziellen Lage aber alle Vorschläge sorgfältig prüfen. Die FDP äußerte erhebliche Zweifel an der Beuel-Lösung und kritisierte unter anderem fehlende Berechnungen zu den Folgen für Innenstadt, Gastronomie und Hotellerie sowie die Verkehrsanbindung des neuen Standorts.
Nun hat sich die finanzielle Lage offenbar weiter zugespitzt. Wie die FAZ berichtet, liegt Bonns Schuldenstand bei rund 2,5 Milliarden Euro. Bis 2029 könnte er auf vier Milliarden Euro steigen, das Haushaltsdefizit in diesem Jahr bis zu 170 Millionen Euro betragen. Die ursprünglich favorisierten Neubaupläne in Beuel gelten deshalb bei vielen bereits als gescheitert.
Eine Schließung der Oper würde allerdings ebenfalls Kosten verursachen. Ein Großteil der Beschäftigten müsste weiterbeschäftigt werden. Zudem ist das Haus gut ausgelastet: In der vergangenen Spielzeit lag die Auslastung laut FAZ bei knapp 85 Prozent, beim Tanz bei rund 95 Prozent. Damit könnte erneut eine kostengünstigere Sanierung des bestehenden Opernhauses am Rhein ins Spiel kommen.

