Radio-Orchester: »Wir sind 24 / 7 für die Leute da«

November 18, 2025
2 mins read
Anselm Rose (Foto: ROC, Bothor)

Podcast: Anselm Rose, Geschäftsführer der ROC in Berlin, über Chancen von Radioorchestern und Reaktionen auf die aktuellen Sparmaßnahmen.

English summary: In the podcast, Anselm Rose outlines the mission and future strategy of Berlin’s radio ensembles: broad access, digital reach, and social engagement. Despite funding pressure, he stresses their democratic value, innovative programming, inclusion, and data-driven, AI-supported ROC 2026 plans.

Der Podcast bei ApplePodcast oder für alle Player

Im Podcast von BackstageClassical hebt Anselm Rose, Geschäftsführer der ROC (Rundfunk Orchester und Chöre GmbH Berlin), die zentrale Bedeutung und die Zukunftsstrategie der vier Berliner Radioensembles hervor. Die Radioensembles hätten seit ihrer Gründung die Funktion gehabt, den musikalischen Content allen zuggängig zu machen. Dies sei nach wie vor ihre Kernaufgabe: »Wir wollen 24 Stunden, sieben Tage die Woche erreichbar sein – live im Konzert, im Radio oder on Demand.«

Finanzielle Herausforderungen und Legitimationsdruck

Der ROC-Geschäftsführer fühlt sich durch Aussagen von Markus Söder oder Tom Buhrow – beide fordern Gelder für Radioensembles zu kürzen – nicht in Frage gestellt.  Rose spürt zwar einen wachsenden Druck auf die öffentlich-rechtlich finanzierten Strukturen, glaubt aber, dass sie gerade in Zeiten wie diesen existenziell für unsere Demokratie sind.

Rose erklärt, dass die Finanzierung der ROC durch Deutschlandradio, RBB, den Bund und das Land Berlin die Last auf vier Gesellschafter verteile, jeder von ihnen aber 100 Prozent der Leistung abrufen könne. In Berlin seien die Zuschüsse für die ROC stagniert und auf dem alten Niveau eingefroren. Da 85 Prozent der Kosten Personalkosten sind und – anders als bei anderen Berliner Kultureinrichtungen – kein Ausgleich für Lohnerhöhungen gewährt wird, müsse die ROC die Steigerungen selbst tragen. 

Rose betonte die Verpflichtung gegenüber den Beitragszahlern: »Die Menschen bezahlen mit ihren Rundfunkbeiträgen genau das, was wir machen, und wir wollen diesen Content barrierefrei zugänglich machen.«

Künstlerische Ausrichtung und Innovationsstrategie

Die ROC Ensembles positionieren sich aktiv in der Gesellschaft und treiben Diskurse voran. Dies umfasst die Aufführung zeitgenössischer Musik, wie etwa die Feier von Helmut Lachenmanns 90. Geburtstag durch Wladimir Jurowski und das RSB. Das DSO zeige sich besonders innovativ, etwa durch die konsequente Spielzeitplanung ohne Konzert ohne Komponistin und durch den Fokus auf „Afrodiaspora“ (Composing While Black).

Die Ensembles verfolgen ein »diversifiziertes Angebotsportfolio« und setzen sich gezielt für Inklusion und niedrigschwellige Angebote ein. Die ROC bietet das größte Musikvermittlungsangebot von ganz Berlin an.

Im Rahmen der Strategie ROC 2026 setzt Rose stark auf Digitalisierung und Technologie. Ziel ist es, die interne Organisation sowie die Kundenerreichung zu revolutionieren. »Wir machen ganz ehrlich und geradeaus unsere Musik, nehmen unseren Auftrag wahr und sind damit ja auch sehr dicht beim Menschen.«

Ein zentraler Bestandteil der Strategie ist die Nutzung KI-gestützter Marketing-Tools, die sogenannte Taste Cluster ermitteln. Darüber hinaus arbeitet die ROC an der Einführung eines sogenannten Wirkungscontrollings, das nicht nur ökonomische Kennzahlen, sondern auch die gesellschaftliche Wirkung ihrer Angebote überprüfen soll.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Lieber Igor Levit,

Igor Levit und Danger Dan dürfen beim ZDF nicht auftreten – nun stilisieren sie sich zum Opfer. So geht PR.

Stagniert Salzburgs Findungsprozess?

Alte Intendanten-Haudegen buhlen um die Intendanz, Sarah Wedl-Wilson winkt als Präsidentin ab. Die Suche nach einer neuen Festspieführung wirkt irgendwie lähmend. Es fehlt an Mut und Ideen. 

Regie? Wo?

Alcina in München: Wunderbare Stimmen in einer unverschämt sinnlosen Aufführung. Eine Kurzkritik.

Techno wird uns nicht retten. Aber Beethoven auch nicht.

Karl Keller kritisierte an dieser Stelle die Anbiederung der Konzertveranstalter beim jungen Publikum. Nun antwortet der Intendant des Beethovenfestes Bonn, Steven Walter, und plädiert für weniger Introspektive und mehr mehr Neugier auf

Lieber Micky Beisenherz,

Micky Beisenherz wütet über die Kulturförderung der Bayreuther Festspiele. Dass er dabei Hitler mit Wagner verwechselt ist noch der kleinere Fehler. Schlimmer ist: Er stapft naiv in Wolfram Weimers Polit-Falle.

Verpassen Sie nicht ...