Wohin mit den Philharmonikern – Tempelhof oder ICC?

Juni 25, 2026
2 mins read
Die Berliner Philharmoniker in Tempelhof – so stellt sich das die KI vor.

Die Berliner Philharmonie steht vor einer massiven Sanierung. Derzeit wird um die Ausweichspielstätte gerungen. Intendantin Andrea Zietzschmann will nicht ins ICC– aber wird Sie das Orchester 2032 überhaupt noch leiten?

English summary: Berlin’s Philharmonie is preparing for a major renovation after 2032, sparking a debate over where the orchestra will perform during the works. As the city and the orchestra disagree on a temporary venue, another question remains: will general manager Andrea Zietzschmann still be in office?

So langsam wird es ernst: Die Berliner Philharmonie muss generalsaniert werden. Das von Hans Scharoun entworfene und 1963 eröffnete Gebäude soll technisch grundlegend erneuert und in Fragen des Brandschutzes sowie in der Infrastruktur hinter den Kulissen renoviert werden – dabei muss die Akustik des Großen Saals nach Möglichkeit unverändert bleiben.

Der Umbau – und damit der Auszug des Orchesters – soll gleich nach dem 150. Jubiläum im Jahr 2032 stattfinden. Derzeit werden mehrere Ausweichspielstätten geprüft. Dabei zeichnet sich ein Dissens zwischen Stadt und Orchester ab. Für die Philharmoniker ist die Wahl auch finanziell von großer Bedeutung: Die Ausweichspielstätte muss ausreichend Platz für rund 2.300 Besucher bieten und den hohen akustischen Anforderungen gerecht werden.

Die Alternativen

Während ein langfristiger Umzug in das Konzerthaus oder in eines der Opernhäuser ausgeschlossen scheint, spitzt sich die Debatte derzeit zwischen dem Internationalen Congress Centrum (ICC) in Westberlin und dem alten Flughafen Tempelhof zu. Die Stadt scheint das Kongresszentrum zu bevorzugen, doch Philharmoniker-Intendantin Andrea Zietzschmann äußert Bedenken. Die BZ zitiert sie so: »Es gibt im Falle des ICC noch sehr viele offene Fragen. Das Gebäude müsste vor einer Nutzung komplett schadstoffsaniert werden und das unter den Bedingungen des Denkmalschutzes. Die Multifunktionssäle sind in ihrem jetzigen Zustand akustisch nicht für klassische Musik geeignet. Es müssten daher akustisch hervorragende Konzertsäle in den Gebäudekomplex eingebaut werden. Hierfür müssten die vorhandenen Säle entkernt werden. Dabei entsteht einerseits die Frage nach den Kosten und andererseits nach der Dauer der Ertüchtigung des Gebäudes. Das alles müsste ja bis 2032 fertig sein.«

Das VAN Magazin berichtet derweil von einer Machbarkeitsstudie, die den Philharmonikern eher gefallen könnte. Demnach würde das Orchester für acht Jahre in die Gebäude auf dem alten Flughafen Tempelhof umziehen. Als Interimsspielstätte kämen zwei neue Säle in den Hangars des Flughafens infrage – die Kosten für die Generalsanierung der Philharmonie und den Umzug der Philharmoniker werden dabei auf 1,15 Milliarden Euro kalkuliert.

Wie viel ist Berlin die Musik wert?

Und genau hier liegt der Knackpunkt: Wie viel Geld ist der Umbau der Politik in Berlin wert? Wie viel der Stadtgesellschaft, die um die klammen Kassen der Hauptstadt weiß? Die zurückgetretene Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson hat sich energisch hinter das Projekt gestellt. Ob ihr Nachfolger die gleiche Energie aufbringen wird, ist fraglich. Eine endgültige Entscheidung wird wohl erst mit der neuen Regierung fallen.

Offen ist auch, ob die derzeitige Philharmoniker-Intendantin Andrea Zietzschmann den Beginn der Umbauarbeiten noch leiten wird, denn in Berlin kursiert das Gerücht, dass ihre Vertragsverlängerung über 2028 hinaus – trotz ihrer sehr guten Arbeit – infrage steht.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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