Lieber Igor Levit,

Juli 17, 2026
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Kuscheln mit der Kulturpolitik: Igor Levit und Claudia Roth (Foto: Screenshot X)

da stehst Du nun vor dem ZDF – und kommst nicht rein. Ausgerechnet das Medium, das Dich jahrelang zum Medienstar aufgebaut hat, lässt Dich plötzlich vor der Tür stehen! 

Dabei wolltest Du doch nur einen kleinen Song vortragen, in dem Du gemeinsam mit Deinem Freund Danger Dan erklärst, wie man den Staat am besten bekämpft – inklusive Tipps, dass man bei seinen Aktionen möglichst unsichtbare bleiben soll. Du wolltest doch nur ein lustiges Lied darüber begleiten, dass die Leute blöde wären, wenn sie sich auf den deutschen Staat verlassen und dass sie ihre Sicherheit »selber organisieren« müssten – notfalls auch gegen Polizisten. 

Lieber Igor Levit, hörst Du Dir überhaupt noch selber zu? Du willst da einen Staat bekämpfen, der Dich mit Orden überhäuft (die Du ja auch annimmst!), einen Staat, um den sich all Deine Freunde kümmern, mit denen Du in der Politik ansonsten so gern kuschelst? Du assoziierst einen Staat mit dem Faschismus, der wirklich so ziemlich alles tut, um jüdisches Leben in Deutschland zu schützen und zu ermöglichen? 

Der Song, um den es geht.

Es ist das eine, dass Deine Finger einrosten und Dein Klavierspiel inzwischen  stagniert. Aber dass Du ernsthaft an dieser Provokation mitmachst, um Danger Dans Album zu promoten – das verstehe ich nicht! Entweder du hast dieses Ding nicht bis zum Ende gedacht, und wenn doch, ist es um so perverser!

Lieber Igor Levit, Du greifst in Eurem Song einen Staat an, der Menschen wie Dich schützt. Kaum ein anderes Land ringt so offen und transparent um seine Demokratie wie Deutschland. Das, was Du nun besingst, ist Anarchie! Ist Straßenkampf. Du schrumpfst Dich selber – mal wieder – zum Opfer, um Dich ein bisschen groß zu fühlen. Du willst – so verstehe ich Euren Song – das Gesetz in Deine Hände nehmen, nur weil sie nicht mehr so gut Klavier spielen können? Was kommt als nächstes: Gibst Du Dein Bundesverdiensktreuz zurück?  

Danger Dan und Du, Ihr macht Platten-PR auf Kosten des sozialen Friedens in Deutschland. Ich halte es mit Ilko Sascha Kowalczuk: »Ich verstehe den Aktivisten Danger Dan. Faschisten und den Staat auf eine Stufe zu stellen, mache ich aber nicht mit. Dann wird es beliebig.«

Lieber Igor Levit. Du bist so erbärmlich beliebig. 

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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