Orchester-Zoff in Bremerhaven

August 19, 2024
1 min read
Das Philharmonische Orchester Bremerhaven fürchtet einen Machtverlust (Foto: Stadttheater Bremerhaven)

Intendant Lars Tietje will die Position des zukünftigen GMD schwächen – und baut jetzt schon Aufführungen mit Orchester ab.

Erst kürzlich haben die Musikerinnen und Musiker des Theater Bremerhaven gegen Pläne des Intendanten Lars Tietje protestiert, die Rolle des Generalmusikdirektors zu schwächen (BackstageClassical hat berichtet). In der neuen Saison wird der Abbau des Orchesters am Theater Bremerhaven offensichtlich: In der Saison 23/24 gab es noch 79 Aufführungen mit Orchester-Mitwirkung, in der neuen Saison sollen es nur noch 64 Aufführungen sein – also 15 Vorstellungen weniger! Außerdem plant der Intendant, eine Opernproduktion nur noch konzertant aufzuführen.

Tietje hat die vom Orchester befürchtete Änderung der Leitungsstruktur am Theater Bremerhaven nun auch öffentlich erklärt, das Orchester wird über konkrete Regelungen aber weiterhin im Unklaren gelassen. Erst kommenden Donnerstag hat die Verwaltungsdirektorin (nicht der Intendant!) zur »Erläuterung der Dienstanweisung« eingeladen. Die neue Struktur wurde dem Orchestervorstand bis heute allerdings nicht zur Einsicht ausgehändigt, erklärten Mitglieder des Orchesters auf Nachfrage von BackstageClassical.

Anzeige

Auch die dem Orchester zugesagte »enge Einbindung« in das Bewerberverfahren für einen neuen GMD nach dem angekündigten Ausscheiden von Marc Niemann läuft offensichtlich nicht ganz so transparent und kooperativ wie erwartet. Die Leistungsdichte der Bewerberinnen und Bewerber entspräche nicht den Erwartungen. Hinter den Kulissen ist davon die Rede, dass substanziell weniger Bewerbungen eingegangen wären als es für eine solche Stelle normal sei. Grund dafür könnte die öffentliche Macht-Demontage des zukünftigen GMD gewesen sein. Ein vom Orchester angesprochener Kandidat soll eine Bewerbung »schweren Herzens« und aufgrund der unsicheren Vertragsbedingungen nach NV-Bühne verworfen haben.

Parallel zu den aktuellen Orchester-Querelen wird in den nächsten Tagen und Wochen auch über die Vertragsverlängerung des Intendanten verhandelt. Der Kulturausschuss tagt am 12. September in einer öffentlichen Sitzung dazu.  

Erratum: In einer vorherigen Version des Textes hieß es, dass es in der Saison 22/23 84 Vorstellungen mit Orchester gab, das war ein Fehler in der Aussendung des Orchesters, es waren lediglich 74 Vorstellungen.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Lieber Peter Heilker,

Gratulation! Für Sie geht es nun also von Wien nach Leipzig. Vom stellvertretenden Intendanten an Stefan Herheims Theater an der Wien zum Chef an der Oper Leipzig. Gratulation, dass Sie sich das

»Interessiert niemanden mehr«

Hört auf, Euch an Timothée Chalamet abzuarbeiten, sagt der Leiter des Podium Esslingen, Joosten Ellée. Eine Plädoyer für die Tiefe des Nerdtums und gegen die Oberfläche Hollywoods.

Lieber Wolfram Weimer,

es ist bemerkenswert, wie Sie die Kulturszene in so kurzer Zeit gegen sich aufgebracht haben. Ihr Berlinale-Management: ein vollkommener Filmriss! Ihre Medien-Kompetenz: im Tegernsee abgesoffen! Ihre Opernförderung: weitgehende Stagnation! Und nun auch

Karajan Debatte weitet sich aus

Michael Wolfssohn gerät weiter in die Kritik – nach Oliver Rathkolb zeigt sich nun auch der Historiker Friedrich Geiger irritiert von seiner Nazi-Reinwaschung Karajans.

Kulturförderung vom Golf

Die Met in New York hofft auf Saudi-Arabien, die Salzburger Osterfestspiele rechnen mit Katar. Aber sind die Golfstaaten wirklich eine Rettung? 

Liebe Dresdner Philharmonie,

klar, Du musst sparen. Aber muss das wirklich sein, indem Du ausgerechnet jene zur Kasse bittest, die für Dich singen? Deine Intendantin Frauke Roth will eine alte Dresdner Tradition beenden: Bislang haben

Nelsons verlässt Boston im Streit

Der lettische Dirigent Andris Nelsons muss im Sommer 2027 nach 13 Jahren sein Amt als Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra (BSO) abgeben. Das teilte das Board des Orchesters am Freitag mit. Die

Lieber Timothée Chalamet,

Der Schauspieler Timothée Chalamet hat die Klassik-Blase mit einem Satz auf die Palme gebracht. Opernhäuser reagierten weitgehend humorlos – eine verpasste Chance.

Verpassen Sie nicht ...