bei allem Verständnis für Absagen – aber wie konnte denn das denn passieren? Erst haben Sie zugesagt, die Ariadne/Primadonna in der Strauss-Neuproduktion bei den Salzburger Festspielen zu singen.
Manche haben sich damals schon gefragt, wie das mit dem tiefen Piano beim »Tooooootenreich« gehen soll – aber egal!
Jetzt haben Sie offenbar selber Zweifel bekommen. Wenige Wochen vor den Festspielen und vor dem Probebeginn – und die Zusage zurückgenommen! War es Hinterhäusers unbedingter Wunsch, und Sie konnten nicht »Nein« sagen? Oder hatten Sie die große Jessye Norman vor Augen und wollten ihr Repertoire »sammeln«?
»Ich habe das Angebot der Salzburger Festspiele mit großer Wertschätzung und aufrichtiger Begeisterung angenommen«, lassen Sie wissen, und schieben hinterher: »Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, diese Partie nicht in mein Repertoire aufzunehmen und daher meine Mitwirkung an dieser Produktion zurückzuziehen.« Haben Sie sich die Rolle vorher nie angeschaut? Haben Sie sich erst jetzt damit auseinandergesetzt?
All das verrät vieles über den absurden Star-Zirkus in der klassischen Musik, und vielleicht auch über den Druck, der auf Ihnen, den Sängerinnen und Sängern lastet. Genau davon hat Richard Strauss ein Lied gesungen, als der die Primadonna komponierte, die er zur Ariadne werden lässt: »Ich bin keine Nebenrolle!«, sagt sie immer wieder. Sie, Frau Garanča, haben die Rolle nun schon vor den Festspielen perfekt verkörpert – ganz ohne aufzutreten!


