Lieber Daniel Froschauer,

Februar 7, 2026
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Daniel Froschauer (Foto: Wesely)

seit Sie Vorstand der Wiener Philharmoniker sind, verpennen Sie es, Ihr Orchester in unsere Zeit zu stellen: Zu wenige Dirigentinnen. Zu wenig Zukunft. Zu wenig Präzision. Stattdessen rühren Sie viel Behäbiges mit den immergleichen Herren an, die Sie gern als Maestri verehren. 

Nun wollten Sie mit Ihrem Rolex-Neujahrskonzert auf einen Schlag alles anders machen: Eine Komponistin! Heureka. Eine Schwarze! Yes, you can. Und Schwupps: Ihre Wiener Philharmoniker wären quasi über Nacht total hip! Und das hätte auch fast geklappt. 

Aber jetzt kommt raus: Ihre Version des  Rainbow Waltz von Florence Price wurde von Wolfgang Dörner bis zur Unkenntlichkeit »verösterreichert«: Keine jazzigen Blue Notes mehr, die Themen stimmen nicht überein – dazu eine Zuckerbäcker-Einleitung. Das ist kein Arrangement! Das ist eine Verstümmelung. 

Sie haben die Musik einer schwarzen Frau zu einem weißen Neujahrs-Geschunkel umschreiben lassen. Als der Komponist Alexander Strauch das für uns aufgeschrieben und bei Ihnen angefragt hat, fiel Ihre Antwort noch schmallippig aus. Jetzt reden Sie in ihrem Groupie-Medium, der österreichischen Zeitung Die Presse: Alles war eh nur der »Herzenswunsch« des Dirigenten – und immerhin würde nun »die ganze Welt über Florence Price reden«. Nein: Die Welt redet über Sie! 

Sie sagen selber, dass Ihre Bearbeitungen das Original stilistisch »eingemeinden« will. Was soll das heißen? Sie wollen Jazz, aber bitte ohne Jazz? Sie wollen ein schwarzes Image, aber bitte in weiß? Sie wollen eine Frau, aber bitte mit Penis? 

Yannick Nézet-Séguin wird den Rainbow Waltz mit seinem Philadelphia-Orchester bald übrigens in einem anderen Arrangement spielen, auch das Rainbow Orchestra in München spielt eine andere Version. Aber Sie verteidigen ihren Fehler einfach stoisch weiter. Lieber Daniel Froschauer, vielleicht sollten Sie etwas weniger durch die Räume des Palais Todesco stolzieren und sich etwas intensiver um das Image Ihres Orchesters kümmern. 

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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