Französischer Philosoph gibt Festwochen einen Korb wegen Thiel

Mai 27, 2026
1 min read

Der französische Soziologe Geoffroy de Lagasnerie hat seine Teilnahme an den Wiener Festwochen kurzfristig abgesagt. Anlass ist die Einladung des US-Milliardärs Peter Thiel zu dem Festival.

English summary: French sociologist Geoffroy de Lagasnerie canceled his Vienna Festwochen keynote after Peter Thiel was invited, saying one cannot oppose fascism while legitimizing its advocates. The dispute follows earlier criticism, including Oksana Lyniv over Teodor Currentzis, raising doubts about Milo Rau’s provocation-driven concept.

Er sei eingeladen gewesen, am 11. Juni eine Keynote über Kunst und politischen Widerstand zu halten, erklärte de Lagasnerie. »Nachdem ich erfahren habe, dass auch Peter Thiel eingeladen wurde, habe ich beschlossen, meine Teilnahme abzusagen«, schrieb de Lagasnerie auf Instagram.

Es sei widersprüchlich, gegen Faschismus zu kämpfen und zugleich »einen seiner aktivsten Vertreter zu legitimieren oder ihn gar als Intellektuellen zu präsentieren, dessen Ideen wir ruhig diskutieren«. Politik sei »weder Spektakel noch Unterhaltung«, sondern betreffe reale Folgen wie »Kriege, Krankheit, Armut, Rassismus, Massenüberwachung und Inhaftierung«. Eine Argumentation, die auch schon an dieser Stelle gegen Raus Festwochen geführt wurde.

De Lagasnerie kritisierte zudem eine zunehmende Nähe von Kulturinstitutionen zu rechten Akteuren. Die »Faszination« für solche Figuren sei »eine der großen Rätsel unserer Zeit – und eine wachsende Quelle der Sorge«. Er rief andere Teilnehmer dazu auf, ebenfalls ihre Teilnahme zu überdenken.

Die Kontroverse reiht sich in frühere Kritik ein: Bereits vor zwei Jahren hatte die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv mit einer Absage gedroht, als der umstrittene Dirigent Teodor Currentzis eingeladen worden war.

Die aktuellen Debatten werfen zudem ein Schlaglicht auf die Programmatik von Festwochen-Intendant Milo Rau. Dessen auf Provokation angelegtes Theaterkonzept scheint zunehmend an Wirkung zu verlieren, da politische Zuspitzungen vermehrt zu konkreten Absagen statt zu produktiver Auseinandersetzung führen.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Kosky für Salzburg? Bitte keinen neuen König!

Ab Dienstag beginnen die letzten Hearings: Barrie Kosky gilt als Favorit für die Nachfolge von Markus Hinterhäuser. Aber vielleicht stellt Salzburg die falsche Frage. Es geht nicht darum, wer neuer Intendant wird

»Kein Glück ohne Leiden« 

Am 4. September beginnt Bayreuth Barock. Intendant und Sänger Max Emanuel Cenčić über Händel, Sex, Macht und das Glück des Leidens.

Antonino Fogliani mit 50 Jahren gestorben

Der italienische Dirigent Antonino Fogliani ist im Alter von 50 Jahren gestorben. Das teilte die Bayerische Staatsoper in München mit. Fogliani sei dem Haus über viele Jahre eng verbunden gewesen und weit

Die MET geht in eine neue Kino-Saison

Die Metropolitan Opera in New York startet am 19. September mit einer Jubiläumsgala in ihre neue Kino-Saison. Anlass sind 20 Jahre der Reihe »Met live im Kino«. Die von Renée Fleming moderierte

Die Highlights der neuen Opern-Saison

Die neue Opernsaison steht vor der Tür – und selten war die ästhetische Vielfalt so groß. In drei Teilen hat BackstageClassical die Spielpläne der wichtigsten Häuser gecheckt: Was macht neugierig, wo regiert

Montero kritisiert Millionenhilfe der USA für El Sistema

Die venezolanische Pianistin Gabriela Montero hat die geplante Millionenförderung der USA für das staatliche venezolanische Musikprogramm El Sistema scharf kritisiert. Nach Angaben der US-Botschaft in Caracas will das Außenministerium gemeinsam mit dem

BackstageClassical ist in den Sommerferien

Die Klassik-Welt dreht weiter, aber wir machen Ferien. Am 1. September sind wir wieder für Sie da – mit täglichen News aus der Welt der Klassik. Bis dahin hier ein wenig Lektüre und

Publikumsbeschimpfug ist auch keine Lösung, Herr Mondtag

Ersan Mondtag nennt das Salzburger Publikum nach den Buh-Rufen für seine „Ariadne auf Naxos“ provinziell. Doch wer Kritik als Unfähigkeit abtut, verwechselt künstlerischen Anspruch mit Überheblichkeit – und verliert den Respekt vor

Verpassen Sie nicht ...