Harding für Dudamel in LA

Mai 26, 2026
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Daniel Harding (Foto: Konzerthaus Dortmund, Staples)

Der britische Dirigent Daniel Harding wird neuer Musikdirektor des Los Angeles Philharmonic. Wie das Orchester mitteilte, übernimmt der 50-Jährige zur Saison 2027/28 die Nachfolge des Venezolaners Gustavo Dudamel, der im Herbst als Musik- und Chefdirigent zu den New Yorker Philharmonikern wechselt.

English summary: Daniel Harding will succeed Gustavo Dudamel as music director of the Los Angeles Philharmonic. The British conductor, currently in Rome and also an Air France pilot, beat 34 candidates. Unlike Dudamel’s broad cultural role, Harding will focus on music direction within a shared leadership structure.

BackstageClassical hatte den Wechsel bereits vor einigen Wochen in seinem Newsletter vermutet (hier kostenlos abonnieren). Nun bestätigte das Orchrester den Wechsel Hardings. Mit der Berufung des Dirigenten kehrt das Orchester zu einem traditionelleren Profil an der Spitze zurück. Dudamel, der 2007 im Alter von nur 26 Jahren engagiert worden war, prägte das Ensemble auch kulturell und gesellschaftlich. Als gebürtiger Venezolaner und spanischer Muttersprachler traf er den Nerv einer Stadt, deren Bevölkerung zu einem großen Teil hispanische Wurzeln hat. In Los Angeles ist Dudamel in den vergangenen 17 Jahren zu einer prägenden kulturellen Persönlichkeit geworden; derzeit erinnern zahlreiche »Gracias Gustavo«-Banner im Stadtbild an seinen Abschied, berichtet die New York Times.

Harding, geboren in Oxford, ist derzeit Musikdirektor der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom und kann auf eine internationale Karriere mit Stationen in Schweden, Frankreich, Deutschland und Großbritannien verweisen. Er spricht mehrere europäische Sprachen, jedoch kein Spanisch. Neben seiner Tätigkeit als Dirigent arbeitet er auch als lizenzierter Pilot für Air France. Dafür muss er eine bestimmte Anzahl von Flugstunden absolvieren, was sich wahrscheinlich nicht mit zwei musikalischen Führungsjobs verträgt. Man kann also davon ausgehen, dass Harding seine Chefdirigentenposition in Rom auslaufen lässt.

Der künftige Musikdirektor würdigte die Entwicklung des Orchesters unter Dudamel. Das Los Angeles Philharmonic sei heute bedeutender denn je; zugleich wachse damit die künstlerische Herausforderung, sagte Harding. Seine Rolle wird zunächst enger gefasst sein als die seines Vorgängers: Während Dudamel zugleich als Musik- und künstlerischer Leiter fungierte, wird Harding sich auf die Position des Musikdirektors konzentrieren.

Die künstlerische Leitung des Orchesters wird künftig auf mehrere Schultern verteilt. Neben Harding gehören dazu der frühere Chefdirigent Esa-Pekka Salonen, der ab Herbst als Creative Director zurückkehrt, sowie Dudamel, der künftig als »Artistic Cultural Laureate« verbunden bleibt. Zudem ist die Einrichtung einer neuen Leitungsposition für lateinamerikanische Musik geplant. Harding wird in seinen ersten Spielzeiten zunächst acht, später bis zu zwölf Konzertwochen pro Saison dirigieren.

34 Kandidaten

Orchesterpräsidentin Kim Noltemy betonte, die neue Struktur lasse ausreichend Raum für alle Beteiligten. Harding werde die Programme der von ihm geleiteten Konzertwochen selbst gestalten, während Dudamel und Salonen weiterhin eigene Projekte verantworten. Salonen begrüßte die Entscheidung und kündigte eine enge Zusammenarbeit an.

Harding setzte sich in einem Auswahlverfahren gegen 34 weitere Kandidaten durch. Er will seine bisherigen Positionen in Rom sowie bei einem Jugendorchesterprojekt in Guangzhou beibehalten und weiterhin in Teilzeit als Pilot arbeiten. Langfristig plant er einen Zweitwohnsitz in Los Angeles, während sein Hauptwohnsitz in Paris bleiben soll.

Der Dirigent begann seine musikalische Laufbahn als Trompeter und wurde früh von Simon Rattle gefördert, der ihn als Teenager zum Assistenten beim City of Birmingham Symphony Orchestra machte. Später arbeitete Harding unter anderem mit Claudio Abbado bei den Berliner Philharmonikern und leitete das Schwedische Radiosinfonieorchester sowie das Orchestre de Paris. Zudem war er an der Gründung des Mahler Chamber Orchestra beteiligt.

In den USA verlief Hardings Karriere bislang wechselhaft. Nach eigener Einschätzung hatte er zunächst Schwierigkeiten, sich auf die Arbeitsweise amerikanischer Orchester einzustellen. Mit der Berufung nach Los Angeles übernimmt er nun erstmals eine der bedeutendsten Positionen im US-amerikanischen Musikleben.

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