»Ich war schockiert über mich selbst«

Dezember 6, 2024
1 min read
John Eliot Gardiner (Foto: Salzburger Festspiele, Clarke)

John Eliot Gardiner erklärt, warum er auf die Bühne zurückkehrt, und dass er sich in Therapie befindet.

English summary: Conductor John Eliot Gardiner (81) returns after a scandal involving a slap to a singer. Launching his Constellation Ensembles in Hamburg, he aims to nurture young talent and explore music’s deep roots.

Der Dirigent John Eliot Gardiner (81) kehrt ein Jahr nach seinem Skandal zurück auf die Konzertbühnen. Am Samstag beginnt er in der Elbphilharmonie Hamburg mit seinen neuen Constellation Ensembles eine Tournee. Im vergangenen Jahr hatte Gardiner nach einer Ohrfeige gegenüber einem Sänger des Monteverdi Choirs einen Rückzug angetreten. Nun zeigt er sich reumütig: »Ich war schockiert über mich selbst«, sagte Gardiner in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Der Vorfall hatte Gardiner dazu veranlasst, eine kognitive Verhaltenstherapie zu absolvieren, sagt er nun, um die Gründe für seinen Kontrollverlust zu analysieren. »Es war eine sehr schmerzhafte, aber lehrreiche Zeit«, so der Dirigent gegenüber der SZ. Seine Rückkehr zum Monteverdi Choir sei nicht möglich gewesen, da das Management dies ablehnte. Stattdessen gründete Gardiner die Constellation Ensembles, die von einem Mäzen unterstützt werden.

Mit dem neuen Ensemble will Gardiner junge Musiker und Dirigenten fördern und musikalische Frische bewahren. Das Eröffnungskonzert kombiniert Werke von Johann Sebastian Bach und Marc-Antoine Charpentier. Der Monteverdi Choir wird eine Woche später dasselbe Programm aufführen – ursprünglich von Gardiner selbst konzipiert.

Gardiner sieht dies nicht als Konkurrenz: »Es kann für das Publikum spannend sein, zwei Interpretationen zu hören.« Trotz des Skandals betont er, dass er noch viel zur Musikwelt beizutragen habe. Seine Leidenschaft für Musik verbindet er zudem mit der Arbeit auf seinem Bauernhof in Dorset, die er als »Gegengewicht zum Musizieren« bezeichnet.

Gardiner plant weiterhin Projekte, darunter ein Buch über die Künstler und Wissenschaftler der Renaissance. Sein Ziel bleibt es, Musik in ihrer Verbindung zu natürlichen und kulturellen Wurzeln zu ergründen.

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