Prozess gegen Ex-Intendant Pereira

März 12, 2025
1 min read
Intendant Alexander Pereira (Foto: Maggio Musicale, Caputo)

Die Staatsanwaltschaft in Florenz fordert vier Jahre Haft gegen den Kulturmanager. Ein Urteil könnte bereits am 27. März fallen.

English summary: The trial against former Maggio Musicale Fiorentino director, Alexander Pereira, will continue this month. The prosecution has requested a 4-year, 4-month sentence for embezzlement and misappropriation of funds.

FLORENZ – In diesem Monat soll der Prozess gegen den ehemaligen Intendanten des Opernhauses Maggio Musical Fiorentino, Alexander Pereira, fortgesetzt werden. Die Staatsanwaltschaft Florenz hat eine Haftstrafe von vier Jahren und vier Monaten beantragt. Gegen den österreichischen Kulturmanager, der zuvor auch Intendant der Salzburger Festspiele war, wurde eine Klage wegen Veruntreuung und Geldunterschlagung eingereicht.

Die Anklage wirft Pereira vor, Gelder der Maggio-Stiftung missbräuchlich verwendet zu haben. Dies soll unter anderem Ausgaben für Reisen und Umzüge von Mailand in die Toskana umfasst haben, die nicht durch seinen Vertrag gedeckt gewesen seien. Weiterhin wird ihm vorgeworfen, die Kreditkarte des Opernhauses für private Ausgaben genutzt zu haben, die in keinem Zusammenhang mit seiner Funktion standen. Hierzu sollen Umzüge, Hotelübernachtungen sowie Flugzeug- und Hubschrauberflüge gezählt haben. 

Stiftungsmittel missbräuchlich genutzt?

Die Ermittlungen der Finanzpolizei ergaben, dass Pereira die Karte auch für Ausgaben in Frankfurt, Baden-Baden, Zürich, Gstaad und Palma de Mallorca genutzt und Mittel der Stiftung für die Miete seiner Wohnung in San Casciano verwendet haben soll – insgesamt rund 200.000 Euro.

Ein weiterer schwerwiegender Vorwurf betrifft die missbräuchliche Verwendung von 35 Millionen Euro aus dem staatlichen Fonds zur Rekapitalisierung der Opern- und Symphonieorchester. Laut Anklage soll Pereira dieses Geld dazu genutzt haben, Gehälter und Steuern zu zahlen, anstatt es zur Stärkung des Stiftungsvermögens einzusetzen. Es wird ihm Missbrauch von öffentlichen Mitteln vorgeworfen. 

Die Staatsanwältin Christine von Borries forderte zudem die Einziehung des »Gewinns der Straftaten« in Höhe von rund 126.000 Euro. Über 37.000 Euro auf österreichischen Konten Pereiras seien bereits beschlagnahmt worden.

Urteil für 27. März erwartet

Die Ermittlungen gegen Pereira waren im Jahr 2022 auf Druck der Rechtspartei Fratelli d’Italia eingeleitet worden. Die Partei um Premierministerin Giorgia Meloni, die im Florentiner Gemeinderat in der Opposition sitzt, hatte Aufklärung über Ausgaben in Höhe von 60.000 Euro gefordert, die mit der Kreditkarte der Stiftung für Flugreisen und Restaurantbesuche getätigt worden waren.

Pereira, der 2019 von der Mailänder Scala nach Florenz gewechselt war und ein Jahresgehalt von 240.000 Euro bezog, war im Februar 2023 von seinem Posten als Intendant in Florenz zurückgetreten, nachdem die Ermittlungen gegen ihn bekannt geworden waren.

Der Prozess gegen Pereira findet im verkürzten Verfahren statt. Die nächste Verhandlung ist für den 27. März angesetzt. An diesem Tag wird Pereiras Verteidigung das Wort ergreifen. Seine Anwälte, Sigfrido Fenyes und Marianna Poletto, erklärten, dass sie die Darstellung der Staatsanwaltschaft nicht teilten und in der nächsten Sitzung eine »diametral entgegengesetzte« Sichtweise präsentieren würden, die zur Klärung der Angelegenheit beitragen solle. Die Entscheidung des Gerichts wird möglicherweise ebenfalls schon am 27. März fallen.

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