Wo sind die Bayreuth Millionen? 

Februar 20, 2025
2 mins read
Der Goldhort. Wie finanzieren sich die Festspiele in Zukunft? (Grafik: SKY)

Die Gesellschaft der Freunde wollte die Bayreuther Festspiele unterstützen, aber der Deal kam nicht zustande. Wie geht es nun weiter? 80.000 Euro für die Kinderoper sind schon Mal geflossen.

English summary: The Society of Friends wanted to support the Bayreuth Festival’s 2026 anniversary productions, but their offer came too late. The funds have been kept in reserve for now. Meanwhile, €80,000 has been allocated to the children’s opera for 2025. Further support depends on proposals from the festival management.

Wo sind eigentlich die Millionen Euro, mit denen die Gesellschaft der Freunde die Bayreuther Festspiele im Jubiläumsjahr 2026 unterstützen wollte? Ende letzten Jahres hatte der Förderverein der Festspielleitung angeboten, dass man sich an den aus Geldmangel abgesagten Jubiläums-Produktionen von Lohengrin und Tannhäuser beteiligen würde, um sie doch wieder ins Programm zu holen. Doch mit diesem Angebot kam die Gesellschaft zu spät: Die Planungsfrist war abgelaufen, und viele Künstlerinnen und Künstler hatten bereits alternative Verpflichtungen zugesagt. Auf die Erklärung von Festspiel-Intendantin Katharina Wagner, dass man das Geld gut für andere Projekte – etwa den Ausbau der Kinderoper –  nutzen könnte, reagierte die Gesellschaft der Freunde bislang nicht.

BackstageClassical hat nun beim Vorsitzenden der Gesellschaft der Freunde Bayreuths, Freiherr Georg von Waldenfels, nachgefragt. Nachdem das Jubiläums-Angebot nicht umgesetzt werden konnte, habe man das Geld als Rücklage innerhalb des Vereines verbucht, da man das Spendenaufkommen im Jahre 2025 noch nicht absehen könne.

Sponsoring statt Gesellschafterpflicht?

Ende 2024 sei man selber erfreut über den Überschuss gewesen, erklärt Waldenfels. Auch, weil die Gesellschaft der Freunde Bayreuths ihren Verpflichtungen als Gesellschafter der Festspiele im gleichen Jahr nicht nachkommen konnte und eine Million Euro weniger zahlte als zuvor. Das mangelnde Spendenaufkommen hatte bereits 2023 dazu geführt, dass der Gesellschaftsanteil der Freunde von 29 Prozent auf 13 Prozent abgesenkt wurde. 

Seither ist der Verein in einer neuen Situation. Das Verhältnis von Geldern, die als Pflichtanteil des Vereins als Gesellschafter an den Bayreuther Festspielen gezahlt werden müssen (und nicht an eine programmatische Mitsprache gekoppelt sind) und der Teil von freiwilligen Sponsorengeldern (mit denen Einfluss auf die geförderten Projekte genommen werden kann), hat sich verändert. Waldenfels erklärt: »Die Konsequenz daraus, dass wir den Gesellschafter-Anteil 2023 abgesenkt haben, ist tatsächlich, dass wir nun in der Vergabe der Mittel flexibler sein können.« 

Förderung der Kinderoper

Der Vorsitzende sagt gegenüber BackstageClassical, dass man gerade heute, am Donnerstag, beschlossen habe, die Kinderoper der Bayreuther Festspiele für das Jahr 2025 mit 80.000 Euro zu unterstützen. 

Was die bislang nicht verteilte Million betrifft, spielt Waldenfels den Ball in Richtung Festspielleitung und Stadt. Man würde warten, ob die Intendanz mit konkreten Verwendungszwecken auf die Gesellschaft der Freunde zukommen wird, um dann im Rahmen eines Vorstandsbeschlusses das weitere Vorgehen zu entscheiden. »Aber es ist nicht so, dass wir die Million Euro bewusst vorhalten, damit sie quasi automatisch abgerufen werden kann«, erklärt Waldenfels gegenüber BackstageClassical.  

Bayreuth entwickelt Education-Konzept

Auf Anfrage sagt Katharina Wagner, dass man für 2026 intensiv an einem Education-Schwerpunkt arbeite, bei dem die Kinderoper im Zentrum stehe. »Wir konzipieren mit Hochdruck«, sagt die Festspielintendantin, »und würden uns sehr freuen, wenn wir die Gesellschaft der Freunde am Ende mit unserem Konzept gewinnen können – es geht darum, auch das Publikum von morgen für Kultur zu begeistern.«  

Transparenzhinweis: Axel Brüggemann konzipiert und moderiert das Open Air der Bayreuther Festspiele

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Ein Angebot, das er nicht ablehnen kann

Showdown: Das Festspielkuratorium der Salzburger Festspiele hat Markus Hinterhäuser ein Szenario offeriert, über das er nun bis zum 20. März nachdenken kann. Ein Kommentar.  

American Nightmares in der Klassik

Kultur-Diskurs zwischen Eskapismus und Widerstand: Hannah Schmidt und Axel Brüggemann debattieren im Podcast Takt & taktlos die aktuellen Themen der Klassik.

Das Reich der kulturellen Mitte

Kanzler Friedrich Merz ist in China. In Peking gastieren sowohl Valery Gergiev und sein Mariinksy Orchester als auch die Berliner Philharmoniker mit Kirill Petrenko. Ein historischer Rückblick auf Europäisch-Chinesische Musik-Beziehungen.  

Liebe Papagenas,

Achtung! Achtung! Da draußen ist ein bunter Vogelfänger unterwegs. Er tarnt sich als Sänger. Früher war er Tenor, heute hat er Federn gelassen – tingelt als Bariton und Clown durch die Gegend.

Einspruch, Herr Wolffsohn

Michael Wolffsohn hat Karajan in seinem neuen Buch vom Nazi-Sympathisantentum weitgehend reingewaschsen. Nun widerspricht ihm der Karajan-Experte und Historiker Oliver Rathkolb. Er sagt: die Faktenlage spricht eine andere Sprache.

Fliegender Teppich ohne Magie

Bluescreen-Effekte prägen Händels »Tamerlano« bei den 48. Internationalen Händel-Festspielen Karlsruhe. Doch der eigentliche Zauber entsteht im Orchestergraben.
Bogdan Roščić Porträt

Lieber Bogdan Roščić,

meinten Sie wirklich den gerngroßen Medien-Mufti Mucha, der über Ihr Opernball-Musical-Programm polterte, als Sie George Bernard Shaw auf Instagram zitierten: »I learned long ago never to wrestle a pig. You get dirty

Liebe Stefanie,

seit der BR sich Dich als »Gesicht« für sein Klassik-Programm vorstellt, bist Du irgendwie anders geworden. Weißt Du noch, wie wir auf dem Flokati gelegen, Tristan gehört und Erdnussflips gegessen haben? Und

Epstein und die Klassik

In den Epstein Files kommen auch zahlreiche Klassik-Künstler vor – oft sollten sie das Image des kulturinteressierten Mäzen pflegen. 

Verpassen Sie nicht ...