Wiener Regenbogen-Walzer sorgt weiter für Aufregung

April 23, 2026
1 min read
Die Komponistin Florence Price

Die Kritik an Florence Prices »Rainbow Waltz« beim Wiener Philharmoniker-Neujahrskonzert spitzt sich zu: Offensichtlich wurde ein Arrangement der schwarzen Komponisten Valery Coleman von Orchester verworfen – und stattdessen eine »eingewienerte« Version bevorzugt.

English summary: Criticism grows over the Vienna Philharmonic’s New Year concert: Florence Price’s Rainbow Waltz was performed in a heavily altered “Viennese” version. An arrangement by Valerie Coleman was reportedly rejected, prompting accusations that two Black composers were sidelined.

Die umstrittene Aufführung eines Walzers der US-Komponistin Florence Price beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker sorgt weiterhin für Kritik. Das 1939 entstandene Rainbow Waltz war in einer neu orchestrierten Fassung unter Dirigent Yannick Nézet-Séguin erklungen, die laut Kritikern kaum Ähnlichkeit mit dem Original für Klavier aufweist.

Inzwischen berichtet der Philadelphia Inquirer, dass zunächst eine Bearbeitung der US-Komponistin Valerie Coleman in Auftrag gegeben, jedoch verworfen worden war. Stattdessen spielte das Orchester eine Fassung des Wiener Dirigenten Wolfgang Dörner. In den USA werfen Kritiker den Philharmonikern nun vor, damit zwei Schwarze Komponistinnen übergangen zu haben.

Die Wiener Philharmoniker äußerten sich nicht zu den Vorwürfen. Nézet-Séguin erklärte schriftlich, Colemans Version sei wegen zu dominanter Bläser- und Schlagzeugpassagen abgelehnt worden. Das wiederum lässt den Inquirer fragen, ob das Orchester ein Stück mit offensichtlich schwarzer Musik eben gar nicht »schwarz« haben wollte, ob zwei schwarze Frauen (Price und Coleman nun von einem weißen Mann »korrigiert« wurden). Kritiker bemängeln hingegen, der aufgeführte Walzer habe den charakteristischen Stil Prices verloren und wirke stark »eingewienert«.

Eine endgültige Bewertung könnte 2027 möglich sein, wenn eine andere Fassung des Stücks erneut aufgeführt werden soll – ebenfalls von Yannick Nézet-Séguin.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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