Weitere Einsparungen in Berlin

Juli 24, 2025
1 min read
Sarah Wedl-Wilson (Foto: Janine Escher)

Der neue Doppelhaushalt sieht Kürzungen in Höhe von 110 Mio. Euro vor.

Berlin (BC) – Im kommenden Doppelhaushalt 2026/2027 muss die Berliner Kulturszene weiter sparen: Der Senat plant, den Kulturetat jeweils um rund 110 Millionen Euro gegenüber 2025 zu kürzen. Damit setzt sich der Sparkurs der vergangenen Jahre fort, nachdem bereits für das Jahr 2025 drastische Einschnitte von etwa 130 Millionen Euro vorgenommen wurden, die in Berlins Kulturlandschaft zu massiven Protesten führten. Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson hebt jedoch hervor, dass insbesondere die ursprünglichen Pläne noch höhere Kürzungen vorgesehen hatten: »Zunächst war ein Minus von 160 Millionen Euro pro Jahr angedacht. Wir haben das Maximum herausgeholt, was möglich ist«, so Wedl-Wilson gegenüber dem rbb.

Schließungen von Theatern sollen laut der Kultursenatorin ausgeschlossen sein. Die Sanierung der Komischen Oper wird weitergeführt. Besonders schützenswerte Einrichtungen wie Kinder- und Jugendtheater sind mit Einsparungen von lediglich 1,5 Prozent weniger stark betroffen. Dagegen müssen große Bühnen wie das Deutsche Theater mit etwa drei Prozent weniger auskommen, während Fördertöpfe für die freie Szene unangetastet bleiben.

Zur Entlastung finanziert ein Transformationsfonds von jährlich 20 Millionen Euro unter anderem gemeinsame Dienstleistungen wie etwa shared services, um Synergien zwischen den Kultureinrichtungen zu erschließen.

Obwohl der Gesamtetat des Landes Berlin auf annähernd 44 Milliarden Euro pro Jahr anwächst – finanziert durch neue Schulden und zusätzliche Bundesmittel – bleibt die Lage innerhalb der Kulturlandschaft angespannt. Die Finanzierung zentraler Sanierungsprojekte soll gesichert sein, jedoch steht die Szene weiter unter Konsolidierungsdruck. Die ursprünglich befürchteten einschneidenden Kürzungen wurden abgemildert, doch sieht Wedl-Wilson angesichts der angespannten Haushaltslage für die kommenden Jahre trotz aller Schwierigkeiten »Zuversicht«: »Wir haben viel zu tun. Darauf können wir jetzt bauen«.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Nelsons verlässt Boston im Streit

Der lettische Dirigent Andris Nelsons muss im Sommer 2027 nach 13 Jahren sein Amt als Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra (BSO) abgeben. Das teilte das Board des Orchesters am Freitag mit. Die

Lieber Timothée Chalamet,

Der Schauspieler Timothée Chalamet hat die Klassik-Blase mit einem Satz auf die Palme gebracht. Opernhäuser reagierten weitgehend humorlos – eine verpasste Chance.

Ausschuss gegen Wedl-Wilson

Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson steht wegen ihres Umgangs mit Fördermitteln aus einem Sonderbudget für Projekte gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus unter Druck.

Fingerübungen für Bach 

Der Literat Christoph Hein legt fünf Bach-Novellen vor. Eine Suite kleiner, literarischer Menuette: Leicht, beschwingt, dem Tode nahe – und mit beiden Beinen auf der Erde.

Liebe Blonde,

Du wolltest unbedingt auch Mal einen »Brief von Brüggi«. Pedrillo hat es nicht so mit Worten. Der Bassa hat nur Augen für Konszanze. Osmin schickt Dich ohne Brief in die Küche, und

Järvi Goes London

Der estnische Dirigent Paavo Järvi wird neuer Chefdirigent des London Philharmonic Orchestra. Zur Saison 2028/29 wird er die Nachfolge von Edward Gardner antreten. Järvi ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Künstlerischer Leiter

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Vor 10 Jahren ist Nikolaus Harnoncourt gestorben. BackstageClassical-Herausgeber Axel Brüggemann hat ihn oft getroffen. Hier ein altes, inspirierendes XXL-Gespräch mit ihm über die Kriegs­ge­nera­tion, die Klangsprache und die „Knödel­theorie“.

Neue Bewegung in den Epstein-Klassik-Files

In neu veröffentlichten Epstein-Akten tauchen die Namen von Dirigent Frédéric Chaslin und Pianist Simon Ghraichy mehrfach auf. Beide weisen jede Verbindung zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zurück.

Lieber Ioan Holender,

Gratulation! Sie sind endgültig angekommen: Ganz unten und ganz rechts.  Also an dieser Stelle erschien jedenfalls Ihr Leserbrief in der Ösi-Zeitung Die Presse. Genau, in jenem Blatt, das in letzter Zeit besonders innig

Das Theater-Ensemble als Identifikation

Das Musiktheater steht unter Druck. Betroffen sind vor allem kleine und regionale Bühnen. Dabei bilden sie die Innovationskraft für die gesamte Sparte. Ein Plädoyer für den Erhalt und die Sicherung der regionalen

Verpassen Sie nicht ...