Protest gegen Abschaffung der Alten Musik in Weimar

Mai 22, 2024
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Die Präsidentin der Liszt-Hochschule in Weimar, Anne-Kathrin Lin­dig, hat das Institut für Alte Musik abgeschafft (Foto: Hochschule für Musik, Werner)

Die Präsidentin der Liszt-Hochschule in Weimar, Anne-Kathrin Lin­dig, will das Institut für Alte Musik abschaffen. Deshalb steht sie unter Druck. Eine Petition hat bereits 17.000 Unterschriften gesammelt.

An der Musikhochschule Weimar tobt ein vehementer Richtungsstreit: Es geht um die geplante Abschaffung des renommierten Instituts für Alte Musik. Die Präsidentin der Liszt-Hochschule, Anne-Kathrin Lin­dig, will stattdessen Fächer wie Pädagogik, die Lehr­amts­aus­bil­dung, das Kul­tur­ma­na­ge­ment und soge­nannte »kleine Fächer« wie Kla­vier, Akkor­deon, Gitarre, Orgel oder Jazz stärken. Außer­dem will Lin­dig einen neuen Stu­dien­gang »Musik­the­ra­pie« installieren. 

Fast 17.000 Menschen haben bereits die Petition »Rettet das Institut für Alte Musik an der Hochschule für Musik in Weimar!« unterschrieben. Sie verweisen auf die lange Tradition der Institution: »Das Institut ist ein Herzstück der reichhaltigen Barockmusik in Thüringen«, heißt es. »Es bildete die Grundlage für renommierte Ensembles und Festivals wie Cantus Thuringia & Capella, Capella Jenensis und die BachBiennale.«  

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Besonders Studierende halten die Schließungspläne für fadenscheinig, sie basierten »auf angeblich sinkenden Bewerberzahlen, doch diese Annahmen sind schwach dokumentiert. Es fehlen Prognosen und Marketingstrategien, die zeigen könnten, wie die Nachfrage gesteigert werden kann, zumal die Bewerberzahlen in der Alten Musik immer einer eher höheren Volatilität ausgesetzt waren.«

Besonders wird beklagt, dass die Präsidentin einen Alleingang ohne Dialog plane. »Trotz mehrfacher Nachfragen hält die Hochschulleitung die Entscheidungsprozesse unter Verschluss und verweigert öffentliche Stellungnahmen«, heißt es in der Petition. Dieses Verhalten beklagt auch die Thüringer Allgemeine Zeitung. Sie berichtet: »Die Prä­si­den­tin der Liszt-Hoch­schule hält, den ekla­tan­ten Plan nach Kräf­ten unter der Decke und lehnt öffent­li­che Stel­lung­nah­men kühl ab. Auf ent­spre­chende Anfrage unse­rer Zei­tung lässt sie ihren Spre­cher lapi­dar ant­wor­ten, es handle sich um einen ‚hoch­schulin­ter­nen Dis­kus­si­ons­pro­zess‘, der ca. Mitte die­sen Jah­res abge­schlos­sen sein solle. Sie bitte ‚um Ver­ständ­nis, dass keine Arbeits­stände bzw. Zwi­schen­er­geb­nisse kom­mu­ni­ziert wer­den kön­nen‘.«

Auch, wenn die Situation noch offen ist, gibt es bereits betroffene Musikerinnen und Musiker wie die Barock­gei­ge­rin Lina Tur Bonet. Sie soll als Nach­fol­ge­rin von Midori Sei­lers eigentlich ins unbe­fri­stete Dienst­ver­hält­nis übernommen werden – doch auch sie muss nun eine Entscheidung abwarten.

Die aktuelle Petition fordert den Erhalt des Instituts für Alte Musik an der Franz-Liszt-Hochschule für Musik in Weimar und argumentiert: »Die Schließung wäre nicht nur ein kultureller Verlust für Weimar und Thüringen, sondern würde auch ein verheerendes Signal an die internationale Musikwelt senden. Die Originalklang-Bewegung, die vor 50 Jahren u.a. von Nikolaus Harnoncourt initiiert wurde, ist heute etablierter denn je. Ein Rückzug aus der Ausbildung und Pflege dieser Musikrichtung wäre daher kurzsichtig und unverantwortlich.«

Hier geht es zur Petition

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