Lieber Markus Blume,

November 12, 2025
1 min read
Markus Blume
Minister Markus Blume, Staatsminister für Wissenschaft und Kunst (Foto: CSU, Böttcher)

als Sie 1995 in die Münchner Junge Union eingetreten sind, habe ich in der Bremer Stadthalle  gegen Helmut Kohl demonstriert: »Ma-O-Am!«. Kürzlich nannte ich Sie einen »kulturpolitischen Dilettanten« – es ging um die Verlängerung von Serge Dorny und Vladimir Jurowski. Und, wenn Sie ehrlich sind, war das wirklich kein kulturtaktisches Meisterwerk! Immerhin: Sie haben damals angerufen, und wir haben konstruktiv gestritten. Sie sind ein Polit-Pragmatiker! Schwamm drüber.

Während Ihr Ministerpräsident Leberkäs‘-Fotos postet und Musikunterricht kürzt, fressen Sie lieber Akten und packen Butter bei die Fische. Sie sind kein »Schnacker«, wie wir im Norden sagen, sondern ein »Macher«. Sie haben den Bayreuther Festspielen einen Tarifausgleich zugesagt, während Ihr Bundes-Kollege Wolfram Weimer den Wagner-Hügel lieber verhungern lässt.

Auch in Sachen Lahav Shani sind Sie standfest. Sie waren Schlittschuhfahrer und kennen das dünne Eis! Während Ihr Vorgänger Bernd Sibler bei Valery Gergiev wackelte und wankte, sind Sie glasklar: Proteste gehen Shani benennen Sie als »ganz offenen Antisemitismus«. Klare Kante. Klare Grenze. Punkt.

Ich sage es als Nordlicht ungern, aber irgendwie mag ich Ihre Politik. Sie ist leise, stilvoll und dennoch streitwillig. In drei Jahren will Wolfram Weimer gehen – wie wäre es mit Berlin statt Bayern? 

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Techno wird uns nicht retten. Aber Beethoven auch nicht.

Karl Keller kritisierte an dieser Stelle die Anbiederung der Konzertveranstalter beim jungen Publikum. Nun antwortet der Intendant des Beethovenfestes Bonn, Steven Walter, und plädiert für weniger Introspektive und mehr mehr Neugier auf

Lieber Micky Beisenherz,

Micky Beisenherz wütet über die Kulturförderung der Bayreuther Festspiele. Dass er dabei Hitler mit Wagner verwechselt ist noch der kleinere Fehler. Schlimmer ist: Er stapft naiv in Wolfram Weimers Polit-Falle.

Die Neuordnung des Marktes

Künstleragenturen fusionieren, Veranstalter gehen auf Nummer sicher – und junge Talente sollen immer schneller an die Spitze. Die Klassikbranche baut ihr Geschäftsmodell um. Doch was passiert, wenn Karrieren schneller wachsen als Künstler?

Marlene Hahn geht nach Graz

Die deutsche Musikdramaturgin Marlene Hahn wird mit Beginn der Saison 2028/29 neue Intendantin der Oper Graz. Die 41-Jährige folgt auf Ulrich Lenz, dessen Fünfjahresvertrag nach der Saison 2027/28 nicht verlängert wird.

Der Festspiel-Trick

Am Ende der Saison einfach noch einmal das Repertoire dranhängen, das ganze »Festival« nennen und die Preise erhöhen. Die Bayerische Staatsoper hat die Airline-Logik im Frack perfektioniert.

Verpassen Sie nicht ...