Das beste Opernhaus der Welt. Wirklich?

November 14, 2025
2 mins read
Das Theater an der Wien (Foto: TadW, Meyer)

Die International Opera Awards wurden verliehen. Beste Oper der Welt ist demnach das Theater an der Wien. Eine eher willkürliche Preisträgerliste.

English summary: The International Opera Awards showed eclectic choices: Theater an der Wien named Opera of the Year; Agnes Baltsa honored for lifetime work; winners span festivals, artists and new productions.

Athen (BC) – Ein bisschen willkürlich ist er schon, dieser International Opera Award. das zeigt die Unterschiedlichkeit der Preisträger, die bei einer Gala in der Stavros-Niarchos-Hall der Griechischen Nationaloper am Freitagabend vergeben worden.

Einen der Höhepunkte markierte die Auszeichnung der griechischen Mezzosopranistin Agnes Baltsa für ihr Lebenswerk, die vom Publikum mit Standing Ovations bedacht wurde. Zu den großen Gewinnern zählte zudem das MusikTheater an der Wien, das nach seiner Wiedereröffnung zum Opernhaus des Jahres gekürt wurde. Eine Auszeichnung, die nicht ganz nachvollziehbar ist, denn das Haus fiel eher nicht durch europaweit gefeierte Inszenierungen auf.

Die Jury würdigte darüber hinaus zahlreiche Persönlichkeiten und Institutionen, darunter das Glimmerglass Festival für seine Musical-Produktion, das Janáček Festival Brno als Festival des Jahres und das Linda und Mitch Hart Institut für Dirigentinnen der Dallas Opera für sein Engagement in der Gleichstellung. Auch hier erstaunt die Willkür der Ausgezeichneten.

Der Preis für die beste Neuproduktion ging an Robert Carsens Inszenierung von „Die Streifzüge des Herrn Brouček“, während der Nachhaltigkeitspreis an das Teatro Real Madrid vergeben wurde. Bei den künstlerischen Kategorien wurden Nicholas Brownlee (Sänger des Jahres), Asmik Grigorian (Sängerin des Jahres), Alain Altinoglu (Dirigent des Jahres) und Claus Guth (Regisseur des Jahres) ausgezeichnet.

Die begehrte Auszeichnung für eine Welturaufführung erhielt die Royal Opera für „Festen“ von Mark-Anthony Turnage und Lee Hall.

Alle Preisträgerinnen und Preisträger 2025 im Überblick:

  • Dirigent: Alain Altinoglu
  • Bühnenbildner: Paolo Fantin
  • Regisseur: Claus Guth
  • Chancengleichheit & Veränderung: Dallas Opera – Linda und Mitch Hart Institut für Dirigentinnen
  • Sängerin: Asmik Grigorian
  • Festival: Janáček Brno Festival
  • Opernhaus-Geschäftsführung: Anthony Freud
  • Lebenswerk: Agnes Baltsa
  • Sänger: Nicholas Brownlee
  • Musical: Sunday in the Park with George (Glimmerglass Festival)
  • Neuproduktion: Die Streifzüge des Herrn Brouček (Nationaltheater Brünn & Staatsoper Berlin/Teatro Real – Regie: Robert Carsen)
  • Opernhaus des Jahres: MusikTheater an der Wien
  • Philanthropie: C. Graham Berwind III
  • Leser:innenpreis: Marina Rebeka
  • Gesamtaufnahme: Lully – Atys (Château de Versailles Spectacles)
  • Solo-Aufnahme: Ann Hallenberg & The Mozartists – Gluck-Arien (Signum)
  • Wiederentdecktes Werk: Galuppi – L’uomo femina (Opéra de Dijon)
  • Rising Stars: Adèle Charvet, Hugh Cutting
  • Nachhaltigkeit: Teatro Real Madrid
  • Welturaufführung: Turnage/Hall – Festen (The Royal Opera)

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Die Neuordnung des Marktes

Künstleragenturen fusionieren, Veranstalter gehen auf Nummer sicher – und junge Talente sollen immer schneller an die Spitze. Die Klassikbranche baut ihr Geschäftsmodell um. Doch was passiert, wenn Karrieren schneller wachsen als Künstler?

Marlene Hahn geht nach Graz

Die deutsche Musikdramaturgin Marlene Hahn wird mit Beginn der Saison 2028/29 neue Intendantin der Oper Graz. Die 41-Jährige folgt auf Ulrich Lenz, dessen Fünfjahresvertrag nach der Saison 2027/28 nicht verlängert wird.

Der Festspiel-Trick

Am Ende der Saison einfach noch einmal das Repertoire dranhängen, das ganze »Festival« nennen und die Preise erhöhen. Die Bayerische Staatsoper hat die Airline-Logik im Frack perfektioniert.

Der neue Kritiker-Deal

Früher genügte eine Mail, und die Pressekarte war sicher. Heute sortieren Veranstalter aus – und alte Gewissheiten geraten ins Wanken. Doch wer Kulturberichterstattung jahrelang abbaut, sollte sich nicht wundern, wenn irgendwann die

Die große Klassik-Lüge

Der Newsletter von BackstageClassical: heute mit prominenter Kritik am Opern-Zirkus, einer spielerischen Wagner-Gaudi und der Frage, wie gut uns der allgemeine Jugendwahn tut.

Verpassen Sie nicht ...