Bekam Bruckner-Intendant Geheim-Infos vom Bürgermeister?

August 21, 2024
1 min read
Wurde er vor dem Hearing informiert? Brucknerhaus-Intendant Dietmar Kerschbaum (Foto: Brucknerhaus)

Im Streit um Unregelmäßigkeiten und die Entlassung von Brucknerhaus-Intendant Dietmar Kerschbaum steht nun auch Bürgermeister Klaus Lugner in Visier – er soll Kerschbaum Vorab-Informationen zugespielt haben.

Chatverläufe haben in Österreich schon für manch politischen Eklat gesorgt. Nun sorgt auch in der Kultur ein Freundschafts-Chat für Aufsehen. Der gefeuerte Intendant des Brucknerhauses, Dietmar Kerschbaum, musste gehen, weil er unter anderem sehr gut bezahlte Verträge mit sich selbst geschlossen haben soll und den Mitarbeiter einer Agentur in die Programmplanung einbezog. Aber auch, weil er bereits vor der ersten Bewerbung über die Fragen beim Hearing der Bewerbungsgespräche informiert gewesen sein soll (BackstageClasscial hatte berichtet). 

Anzeige

Nun hat der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) gegenüber den Oberösterreichischen Nachrichten zugegeben, selbst jene Person gewesen zu sein, die Kerschbaum die »allgemeine Fragen zum Hearing weitergeleitet« habe. Er bedauere sein Verhalten, und erklärte, als »Bürgermeister habe er ein schlechtes Beispiel« abgegeben. Es sei »nicht okay, wie ich mich damals verhalten habe. Dafür möchte ich mich aufrichtig entschuldigen und um Verzeihung bitten.«

Die Richtigkeit der Chats wurden von Kirschbaums Rechtsanwalt Bernhard Steinbüchler, bestätigt, der den Intendanten im Arbeitsrechtsverfahren gegen die Linzer Veranstaltungsgesellschaft Liva beziehungsweise die Stadt Linz vertritt.

Mehrfach wurde inzwischen der Rücktritt von Bürgermeister Luger gefordert. Wenn Linz schon dabei ist, sollten vielleicht auch noch Mal die Reisen des Wirtschaftsforums untersucht werden, das Ex-Intendant und heutiger Putin-Freund Hans-Joachim Frey gemeinsam mit Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl betreut hat (Leitl war später beim Sotschi-Dialog tätig). 

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Tod eines umstrittenen Chorleiters

Gerhard Schmidt-Gaden ist tot. Er starb mit 88 Jahren im oberbayerischen Benediktbeuern. Er war eine ebenso prägende wie umstrittene Persönlichkeit im Chorbetrieb.

Endlich bekommt Venedig ein richtiges Wagner-Museum

Nach mehr als 30 Jahren Planung wird ein Richard-Wagner-Museum in Venedig Realität: Ein Abkommen sichert die Zukunft der Wagner-Räume im Palazzo Vendramin Calergi. Ab 2027 soll das Haus Teil des städtischen Museumsnetzwerks

Was ist los in der Klassik?

Podcast: Hannah Schmidt und Axel Brüggemann debattieren die neue Theater-Saison, Opern-Finanzierung, Salzburger Festspiele und Wolfram Weimer.

Der große Spielplan-Check

Die neue Opernspielzeit steht vor der Tür. In Folge I checkt BackstageClassical die Spielpläne der großen Häuser: Vielfalt ist das Motto – und allerhand Namen von der Stange.

Ermittlungen am Teatro San Carlo

Die Polizei in Italien ermittelt Unregelmäßigkeiten am Theater in San Carlo. Im Zentrum stehen Ex-Intendant Stéphane Lissner und verschiedene Künstlerinnen und Künstler, unter ihnen Asmik Grigorian, Claus Guth und Jonas Kaufmann.

Lieber Jackie Chan,

Turandot hat in den letzten 100 Jahren ja schon viel erlebt, unter anderem eine Inszenierung direkt in der Verbotenen Stadt in Peking. Aber Puccinis Chinaoper als Martial-Arts-Spektakel, das ist wirklich neu! Sie

Liebe Künstlerinnen und Künstler,

dieses Mal war es das Berliner Boulevard-Blatt BZ, das die Kosten-Rechnung aufgemacht hat: Während man in der Hauptstadt durchschnittlich 62,20 Euro für ein Opernticket hinblättert, zahlt der Staat für jedes verkaufte Ticket noch mal 251,60

Verpassen Sie nicht ...