Tod eines umstrittenen Chorleiters

April 19, 2026
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Gerhard Schmidt-Gaden verstarb mit 88 Jahren (Foto: Schilhansl)

Gerhard Schmidt-Gaden ist tot. Er starb mit 88 Jahren im oberbayerischen Benediktbeuern. Er war eine ebenso prägende wie umstrittene Persönlichkeit im Chorbetrieb.

English summary: Gerhard Schmidt-Gaden has died at 88. Founder of the Tölzer Boys’ Choir, he shaped generations of singers and achieved global acclaim. Yet his legacy is mixed, as former members recall a harsh, humiliating teaching style, raising questions about authority and artistic excellence.

Sein Tölzer Knabenchor, den er 1956 ins Leben rief und über Jahrzehnte formte, hat Generationen von Sängern ausgebildet und den Klang eines der international renommiertesten Knabenchöre entscheidend geprägt. Unter seiner Leitung arbeitete das Ensemble mit Dirigenten wie Herbert von Karajan und Claudio Abbado, gastierte weltweit und setzte Maßstäbe in der historischen Aufführungspraxis.

Schmidt-Gadens künstlerischer Anspruch war hoch, sein Probenstil allerdings auch berüchtigt. Ehemalige Sänger schildern rückblickend ein Klima von Angst, Druck und Demütigung, das in einem Nachruf nicht verschwiegen werden darf. 

Der Schriftsteller Christopher Kloeble äußerte zahlreiche demütigende Situationen und schilderte harte verbale Ausfälle des Chorleiters. Nach einer misslungenen Generalprobe sei Schmidt-Gaden in den Raum gestürmt, habe die Tür zugeschlagen und die Kinder als »blöde Arschlöcher« bezeichnet, ihre Leistung als »scheiße«. Das Gefühl, den Chorleiter enttäuscht zu haben, habe sich tief eingeprägt.

Besonders drastisch wirkt Kloebles Erinnerung an eine Busfahrt, auf der der Chorleiter ein Spottlied über ihn angestimmt habe. Unter dem Titel »Fass von Königsdorf« sei der damals übergewichtige Junge verhöhnt worden. »Es war furchtbar«, so Kloeble gegenüber dem BR, »Dass das halt so vom Chorleiter ausging …«

Gerhard Schmidt-Gaden hinterlässt ein bedeutendes musikalisches Erbe. Zugleich wirft sein Wirken Fragen auf, die über seine Person hinausweisen: nach den Grenzen von Autorität in der Ausbildung junger Künstler – und danach, welchen Preis künstlerische Exzellenz haben darf.

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