Liebe Künstlerinnen und Künstler,

April 20, 2026
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dieses Mal war es das Berliner Boulevard-Blatt BZ, das die Kosten-Rechnung aufgemacht hat: Während man in der Hauptstadt durchschnittlich 62,20 Euro für ein Opernticket hinblättert, zahlt der Staat für jedes verkaufte Ticket noch mal 251,60 Euro drauf! Das ist Deutschland-Rekord. Und, klar: Es weckt den Neid.

Wie kann es sein, fragt das Blatt mit den großen Buchstaben, dass eine Kunstform, die so wenige Menschen anspricht, so saftig von allen Steuerzahlern mitfinanziert wird? Für einen Schwimmbad-Besuch zahlt der Berliner schließlich nur 11,33 Euro drauf, für einen Zoobesuch nur 8,86 Euro! Die Forderung liegt auf der Hand: Teurere Tickets für Berlins Opern und weniger staatliche Unterstützung.

Abgesehen davon, dass Oper sich nie rechnet und davon, dass wir alle überzeugt sind, dass Klassik ein wesentlicher Teil der deutschen Bildungs-Kultur ist: Wir müssen die Bedenken ernst nehmen.

Ich glaube nicht daran, dass wir jeden und jede in Opern und Konzerte locken können. Unsere Kunst verlangt Muße, Auseinandersetzung und die Bereitschaft zur Tiefe – Oper und Konzerte werden nie alle Menschen begeistern. Aber wir können es schaffen, dass ein Großteil der Menschen versteht, dass gerade diese Räume der Ausdauer und der Kunst wichtig für eine Gesellschaft sind – egal, ob sie persönlich genutzt werden oder nicht.

Bei der Verteidigung unserer Kunst ist es wichtig, daran zu denken, dass wir – nur weil wir selber Tickets kaufen – nicht die alleinige Deutungshoheit über die Oper haben. Ohne Menschen, die nicht in die Oper gehen, würden jene, die Oper lieben, gar keine Oper haben!

Die Kunst muss also auch in die Breite »verkauft« und »argumentiert« werden. Es muss klar werden: Hier finanzieren nicht alle eine Kunst für ein paar Freaks! Die Klassik muss viel mehr klar machen: Eine Stadt mit Geigen und Trompeten tickt anders – klingt besser!

Klassik ist keine Nische für Nerds, sie kann in der U-Bahn, in den Kneipen, in Open-Airs stattfinden, sie integriert ALLE Menschen einer Stadt und öffnet sich verschiedenen Communities.

Was wir brauchen ist ein besseres Image für die Klassik. Oper ist kein Selbstzweck für Opern-Ultras, sondern muss es schaffen, zum selbstverständlichen Soundtrack für alle zu werden. Berlinerinnen und Berliner müssen wieder stolz auf ihre Häuser werden (auch, wenn sie sie nicht besuchen). Die Oper darf nicht zum Ort des Klassismus werden.

Und das, liebe Künstlerinnen und Künstler – liegt auch in Eurer Hand!

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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