Mehr Vielfalt, mehr Daten, weniger starre Karrieren: Im Podcast »Takt & taktlos« zeigt die Branche, wie radikal sich Orchester neu erfinden müssen, um ihr Publikum von morgen zu erreichen.
English summary: At German Orchestra Day, hosts Hanna Schmidt and Axel Brügemann discuss music’s future. Guests Marlene Brüggen, Anselm Rose, and Andrea Tober explore feminist programming, AI marketing, and education reform to adapt to a changing landscape
Mehr Vielfalt in den Programmen, gezielter KI-Einsatz im Marketing und neue Ausbildungsmodelle: Beim Podcast „Takt & taktlos“ diskutieren Branchenvertreter am Rande des Deutschen Orchestertages zentrale Zukunftsfragen des Musikbetriebs.
Marlene Brüggen, Leiterin der künstlerischen Planung beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin (DSO), zieht eine positive Bilanz der Initiative „Kein Konzert ohne Komponistin“. Trotz teils heftiger Kritik in sozialen Netzwerken erreicht das Orchester die höchste Auslastung seiner Geschichte. Repräsentation sei jedoch nur ein erster Schritt, betont Brüggen. Projekte wie „Composing While Black“ und die kommende Saison unter dem Motto „Ach Mensch“ zielen auf eine stärkere intersektionale Vielfalt und gesellschaftliche Reflexion.
Anselm Rose, Geschäftsführer der Rundfunk-Orchester und -Chöre Berlin (ROC), sieht in der Digitalisierung eine strategische Notwendigkeit. Derzeit entwickelt man ein KI-gestütztes System zur gezielteren Ticketvermarktung. Mithilfe von „Taste Clustern“ sollen neue Publikumsschichten erschlossen werden, die über klassische Abonnements kaum erreichbar sind. Die künstlerische Entscheidungshoheit bleibt jedoch ausdrücklich beim Menschen.
Andrea Tober, Rektorin der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, verweist auf einen Wandel in den Berufsvorstellungen junger Musiker. Starre Orchesterstellen verlieren an Attraktivität, während flexible „Patchwork“-Karrieren an Bedeutung gewinnen. Ausbildungsinstitutionen müssen darauf reagieren und Exzellenz neu definieren – über technische Perfektion hinaus.
Einigkeit besteht darin, dass programmatische Öffnung, datenbasiertes Marketing und flexiblere Strukturen entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Musikbetrieb

