Theaterstatistik 2022/23: Mehr Veranstaltungen, mehr Publikum – weniger Kohle

März 14, 2025
1 min read
Das Klassik-Publikum – Symbolbild (Foto: BC)

Deutsche Theater verzeichnen 15 Prozent mehr Aufführungen und 64 Prozent mehr ZuschauerInnen als im vorherigen Corona-Jahr.

English summary: In the 2022/2023 season, German theaters saw a 15% increase in performances and a 64% rise in attendance compared to the previous COVID year. Despite crises like the energy crisis, the public returned to theaters. However, rising operational costs highlight a financial crisis for publicly funded venues, with revenue up by 61%, but subsidies only increasing by 0.7%.

BERLIN – Die Rückkehr zur Normalität trotz multipler Krisen – so könnte man die Spielzeit 2022/2023 überschreiben, deren Daten der Deutsche Bühnenverein mit seiner aktuellen Theaterstatistik vorlegt. Die Statistik steht ab sofort zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Die Saison 2022/2023 war geprägt durch die Auswirkungen der Energiekrise. Weder diese noch die aufkommende Angst vor einer erneuten Schließung der Bühnen aus energiepolitischen Gründen verhinderten aber, dass die Menschen nach der Pandemie wieder zurück in die Theater und Orchester strömten.

Die Zahl der Veranstaltungen an den Mitgliedsbühnen des Bundesverbandes der Theater und Orchester stieg um rund 15 Prozent deutlich an in Richtung Vor-Corona-Niveau, die Zahl der Besuche sogar um 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit 22,4 Millionen Besuchen manifestieren die Theater und Orchester klar, dass ihnen eine wichtige Bedeutung in der Gesellschaft zukommt.

Die Betriebseinnahmen stiegen um rund 61 Prozent an, die Zuweisungen hingegen erhöhten sich nur um 0,7 Prozent. Vor dem Hintergrund der wegen des Tarifabschlusses im Öffentlichen Dienst von April 2023 um rund 7 Prozent gestiegenen Personalkosten und einer Steigerung von sogar 12 Prozent bei den Sachkosten lässt sich an diesen Zahlen die Finanzierungkrise der öffentlich getragenen Häuser statuieren.

Für die aktuelle Statistik wurden zum ersten Mal Informationen zum unbereinigten Gender Pay Gap abgefragt. Dieser vergleicht die Bruttostundenverdienste von Männern und Frauen. Im Bundesdurchschnitt lag dieser Pay Gap 2023 bei 18 Prozent. Der Pay Gap bei den tarifgebundenen Mitarbeiter:innen der Theater und Orchester liegt bei rund 8 Prozent und bei den Beschäftigten mit frei verhandelten Verträgen bei 12 Prozent. Er liegt damit nicht nur deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, sondern auch überdeutlich unter dem Wert, der für die Kulturbranche von anderen Verbänden oder Gewerkschaften veröffentlicht wurde.

Claudia Schmitz, Geschäftsführende Direktorin des Deutschen Bühnenvereins, erklärt: »So erfreulich und ermutigend die Veranstaltungs- und Besuchszahlen sind, so klar erkennbar ist gleichermaßen, dass die Bühnen sich in einer Finanzierungskrise befinden: Deutlich steigende Kosten stehen nur mäßig steigenden Zuwendungen gegenüber. Auch wenn die Situation der öffentlichen Haushalte alle Bereiche betrifft, so stehen wir als Verband hinter den Theatern und Orchestern: Die Verantwortung der öffentlichen Hand für die Kultur im öffentlichen Raum kann und darf gerade jetzt nicht zur Disposition gestellt wer- den. Die vorgelegten Zahlen und Entwicklungen belegen deutlich die Bedeutung der Bühnen für die Gesellschaft.«

Text: Pressemitteilung des Deutschen Bühnenvereins

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Buhs zur »Todesfuge«?

Samstagabend im Stuttgarter Opernhaus: Es gibt Zwischenrufe in der »Meistersinger«-Premiere, ausgerechnet in der »Todesfuge«. Versuch einer Einordnung von Johannes Lachermeier.

Lieber Simon Strauß,

vollkommen legitim, dass Sie Ihre FAZ-Feder spitzen, um Intendant Hinterhäuser im Amt zu halten. Merkwürdig nur, wie Sie das tun: Sie wittern eine Intrige gegen den kongenialen »König« und schieben die Schuld

Der auf den Grenzen tanzt

Biografie eines genialen Exzentrikers: »Pianist – Musiker – Freigeist« heißt ein Buch, in dem sich der Musikwissenschaftler Rüdiger Albrecht den ganz unterschiedlichen Facetten von Friedrich Gulda widmet. Ein exklusiver Vorabdruck bei BackstageClassical.

Dear Yannick Nézet-Séguin,

The conductor defends the clumsy waltz version of Florence Price at the New Year’s Concert — and in doing so also reveals himself.

Tenor Aaron Pegram verstorben

Die Semperoper Dresden trauert um den Tenor Aaron Pegram. Wie das Opernhaus am Montag mitteilte, starb das langjährige Ensemblemitglied am Sonntag in Dresden völlig unerwartet. Pegram gehörte seit der Spielzeit 2009/10 zum

Schlittenfahren mit der Musik 

heute mit einem Neujahrsschwindel, weiteren Entlassungen in der Musikkritik, mit Blicken hinter die Salzburger Festspiel-Kulissen und einer sportlichen Enttäuschung.

Lieber Daniel Froschauer,

Der Vorstand der Wiener Philharmoniker weist Kritik am Arrangement von Florence Prices »Rainbow Waltz« zurück – und macht die Sache damit nur noch schlimmer.

Lieber Michael Andor Brodeur,

Sie sind die gewissenhafte Klassikstimme der Washington Post. Keiner, der große Themen ausgräbt, der Musik in die Mitte der Gesellschaft stellt – aber ein guter Kritiker. Einer der alten Schule.  Nun müssen Sie

Verpassen Sie nicht ...