»Russland wirft die Wunderbarsten ins Gefängnis«

August 13, 2024
1 min read
Der Pianist Pawel Michailowitsch Kuschnir starb nach einem Hungerstreik als politischerGefangener (Foto: Privat)

In einem offenen Brief verurteilen Künstler wie Martha Argerich, Daniel Barenboim, Isabella Faust oder Simon Rattle Russland für den Tod von Pawel Michailowitsch Kuschnir.

Heute veröffentlicht die FAZ einen offenen Brief, in dem Musikerinnen und Musiker Russland für den Tod des russischen Pianisten Pawel Michailowitsch Kuschnir kritisieren. Kuschnir war am 27. Juli in einem Untersuchungsgefängnis in Birobidschan gestorben – er war in Hungerstreik getreten. Er wurde im Mai verhaftet und wegen »öffentlicher Aufrufe zu terroristischen Aktivitäten« angeklagt. Auf seinem Youtube-Kanal hatte er den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine angeprangert. 

Werbung

»Wir sind ebenfalls Musiker«, heißt es in dem Brief. »Nichts wird Pawel Kuschnir zurückbringen. Wir schreiben hier, um an ihn zu erinnern, und wir schreiben wegen der zahllosen unbekannten politischen Gefangenen in Russland wie überall in der Welt. (….) Das muss uns daran erinnern, dass der perverse ‚Auswahlprozess‘ der Strafverfolgungsbehörden dazu führt, dass die wunderbarsten und furchtlosesten Menschen ins Gefängnis geworfen werden, oft die besten Menschen einer kranken Nation.«

Zu den Unterzeichnern gehören wie Martha Argerich, Daniel Barenboim, Elena Bashkirova, Boris Berman, Andrey Boreyko, Yefim Bronfman, Isabelle Faust, Julia Fischer, Sol Gabetta, Kirill Gerstein, Vladimir Jurowski, Igor Levit, Alexei Lubimov, Mischa Maisky, Alexander Melnikov, Anne-Sophie Mutter, Emmanuel Pahud, Sir Antonio Pappano, Sir Simon Rattle, Sir András Schiff, Katia Skanavi und Andreas Staier.

Sie schreiben weiter: »In dem höllischen Kaleidoskop von heute, inmitten von Fake News, falscher Moral und falschen Werten, sind wir fast taub geworden. Wenn wir dann plötzlich einen fernen, schönen Ton hören, der seiner Bescheidenheit zum Trotz das allgegenwärtige höllische Tosen und Klirren übertönt, verneigen wir uns vor jenen Helden und Visionären, die sich in ihrer verzweifelten Einsamkeit für die Menschheit aufopfern und den höchsten Preis zahlen.«

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Lieber Peter Heilker,

Gratulation! Für Sie geht es nun also von Wien nach Leipzig. Vom stellvertretenden Intendanten an Stefan Herheims Theater an der Wien zum Chef an der Oper Leipzig. Gratulation, dass Sie sich das

»Interessiert niemanden mehr«

Hört auf, Euch an Timothée Chalamet abzuarbeiten, sagt der Leiter des Podium Esslingen, Joosten Ellée. Eine Plädoyer für die Tiefe des Nerdtums und gegen die Oberfläche Hollywoods.

Lieber Wolfram Weimer,

es ist bemerkenswert, wie Sie die Kulturszene in so kurzer Zeit gegen sich aufgebracht haben. Ihr Berlinale-Management: ein vollkommener Filmriss! Ihre Medien-Kompetenz: im Tegernsee abgesoffen! Ihre Opernförderung: weitgehende Stagnation! Und nun auch

Karajan Debatte weitet sich aus

Michael Wolfssohn gerät weiter in die Kritik – nach Oliver Rathkolb zeigt sich nun auch der Historiker Friedrich Geiger irritiert von seiner Nazi-Reinwaschung Karajans.

Kulturförderung vom Golf

Die Met in New York hofft auf Saudi-Arabien, die Salzburger Osterfestspiele rechnen mit Katar. Aber sind die Golfstaaten wirklich eine Rettung? 

Liebe Dresdner Philharmonie,

klar, Du musst sparen. Aber muss das wirklich sein, indem Du ausgerechnet jene zur Kasse bittest, die für Dich singen? Deine Intendantin Frauke Roth will eine alte Dresdner Tradition beenden: Bislang haben

Nelsons verlässt Boston im Streit

Der lettische Dirigent Andris Nelsons muss im Sommer 2027 nach 13 Jahren sein Amt als Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra (BSO) abgeben. Das teilte das Board des Orchesters am Freitag mit. Die

Lieber Timothée Chalamet,

Der Schauspieler Timothée Chalamet hat die Klassik-Blase mit einem Satz auf die Palme gebracht. Opernhäuser reagierten weitgehend humorlos – eine verpasste Chance.

Verpassen Sie nicht ...