Lieber Teodor Currentzis,

April 9, 2026
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Der Dirigent Teodor Currentzis (Foto: SWR)

ich habe mich lange genug an Ihnen abgearbeitet. Besonders, als Sie noch SWR-Kohle von unseren öffentlich-rechtlichen Rundfunkgebühren kassiert haben und Ihr russisches Ensemble gleichzeitig Rubel von Gazprom und der VTB-Bank abgegriffen hat. 

Inzwischen sind Sie nicht mehr beim SWR, tingeln – mehr oder weniger erfolgreich – mit Utopia und musicaAeterna (je nach politischer Situation?) durch die Gegend. Mal sehen, wie es in Salzburg weiter geht. 

So oder so: Ihre Konzerte sind jetzt Privatsache. Wem es noch immer egal ist, dass Sie weiter in Russland kassieren – bitteschön!

Zu Putins Krieg gegen die Zivilbevölkerung in der Ukraine schweigen Sie weiter. Auch das ist Ihr gutes Recht. 

Schweigen ist das Recht aller Menschen. Auch von Österreichs Bundespräsident Alexander van der Bellen. Der lässt seit Monaten einen Antrag der so genannten »Kunst-Kurie« in seinem Schreibtisch vergammeln. Ein merkwürdiges Gremium unter Vorsitz des umstrittenen Ausstellungsmachers Peter Noever, das Sie gern aufnehmen will. Sie sollen Österreichs obersten Kunstorden bekommen. Dafür müsste der Bundespräsident nur noch unterschreiben. Aber: Er schweigt. Schon seit Monaten. Sie kennen das ja. 

Es gibt auch keinen Einblick in die Akten, wie die APA gerade berichtete. Aus dem Ministerium heißt es, es könnte Schwierigkeiten geben, weil  die außenpolitischen Beziehungen Österreichs durch die Sache potenziell beeinträchtigt werden könnten. Tja.

Aber vielleicht hat der Bundespräsident auch einfach nur die gleiche Meinung wie ich und findet, dass ein Künstler, der kriegerisches Unrecht nicht benennen will, einfach nicht für Österreichs höchste Ehre geeignet ist.

Nichts Genaues weiß man nicht, denn van der Bellen: schweigt! 

… und schweigt

… und schweigt

… und schweigt.

Das kann er laut Gesetz so lange er will. Es gibt in dieser Sache keine Frist. Vielleicht hört er auf, wenn Sie reden? Wer weiß das schon?

Wir lernen: Nichts zu sagen bedeutet manchmal ziemlich viel.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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