Nach rund 1,5 Milliarden Euro teurer Sanierung kehrt die Oper Köln an den Offenbachplatz zurück. Für Intendant Hein Mulders entscheidet sich der Erfolg jedoch erst im Alltag: Das Haus müsse dauerhaft solide finanziert und künstlerisch stark aufgestellt bleiben.
English summary: After 15 years and €1.5 billion in renovations, Cologne Opera prepares to reopen. Intendant Hein Mulders welcomes the milestone but warns the real test lies ahead: stable long-term funding is crucial to avoid cuts and sustain artistic quality and public support.
Nach 15 Jahren Sanierung und Kosten von rund 1,5 Milliarden Euro steht die Kölner Oper vor ihrer Rückkehr an den Offenbachplatz. Mit dem Start der neuen Saison soll das renovierte Haus wieder regulär bespielt werden. Für Intendant Hein Mulders ist das jedoch nicht nur ein Anlass zur Freude, sondern auch ein Warnsignal: Die eigentliche Bewährungsprobe beginne erst jetzt.
»Es wäre fatal, wenn wir die erste Saison strahlen würden, um danach massiv sparen zu müssen«, sagte Mulders im Podcast von Backstage Classical. Dann funktioniere das System nicht, betonte er. Nach einer so langen und teuren Sanierung müsse das Haus auch im laufenden Betrieb verlässlich finanziert und kreativ bespielt werden.
Qualität ist die wahre Währung
Mulders stellt die Rechtfertigung hoher Kulturausgaben grundsätzlich nicht infrage, verweist aber auf die Bedeutung von Qualität und Publikumszuspruch. »Das Beste ist, uns durch ein gutes Programm zu behaupten«, sagte er. In Köln gehöre die Oper zur Stadtgesellschaft, sie sei eine Art »Volkskunst«, die sehr unterschiedliche Menschen anspreche. Die gestiegenen Abozahlen wertet er als Zeichen dafür, dass das Haus angenommen werde.
Weniger auf ökonomische Argumente als auf emotionale Bindung setzt Mulders bei der Frage, wie sich ein Opernhaus dauerhaft in einer Stadt verankern lässt. Ein Haus werde dann »unabschaffbar«, wenn es als selbstverständlicher Teil der Identität wahrgenommen werde, sagte er. Entscheidend sei, dass die Menschen nicht nur die Sanierung als Großprojekt akzeptierten, sondern das Haus auch im Alltag als unverzichtbar empfänden.
Kooperationen als Zukunftsmodell
Eine wichtige Rolle spielt für Mulders die Bildungsarbeit. Zwar könne die Oper die Defizite im Schulunterricht nicht allein ausgleichen, doch die Nachfrage sei groß. »Die Education-Arbeit in Köln platzt aus allen Nähten«, sagte er. Schulen nähmen das Angebot dankbar an, weil vielerorts Musikvermittlung im Unterricht kaum noch stattfinde. Damit werde die Oper zu einem Ort, an dem kulturelle Bildung praktisch erfahrbar bleibe.
Für die Zukunft des Hauses nennt Mulders drei Punkte als besonders wichtig: ein vielfältiges Programm, internationale Kooperationen und die Konzentration auf das eigentliche Kerngeschäft. Das Repertoire müsse Barock, Uraufführungen und große Klassiker wie den »Ring« oder den »Rosenkavalier« verbinden. Partnerschaften mit Häusern in Venedig, Madrid oder Brüssel sollen dabei helfen, künstlerisches Niveau abzusichern. Trotz aller Vermittlungsarbeit gelte aber vor allem eines: »Dafür kämpfe ich wie ein Löwe«, sagte Mulders mit Blick auf den Anspruch, dass jeden Abend der Vorhang für große Opernproduktionen aufgeht.

