Der Komponist Alexander Strauch gehörte zu den Kritikern des Wiener Arrangements von Florence Prices »Rainbow Waltz«. Nun hat der Präsident des Deutschen Komponistenverbandes das Stück für sein »Rainbow Orchestra« neu vertont. Wir haben ihn gebeten, uns zu erklären, was bei ihm anders ist.
English summary: Composer Alexander Strauch was among the critics of the Vienna arrangement of Florence Price’s Rainbow Waltz. Now, the president of the German Composers’ Association has created a new orchestration of the piece for his “Rainbow Orchestra.” We asked him to explain what makes his version different.
Am Neujahrstag erwartete die Klassikwelt eine groß aufgemachte Sensation: Die Wiener Philharmoniker kündigten erstmals ein Werk der afroamerikanischen Komponistin Florence Price für das weltweit ausgestrahlte Neujahrskonzert an, eine Orchestrierung ihres Rainbow Waltz, original für Klavier solo.
Nach der Ausstrahlung stellte sich weltweit die Frage: Teilte der gespielte Walzer noch mehr als die Tonart mit der Originalkomposition? Katharine Needleman, John Michael Cooper, Axel Brüggemann und ich selbst gingen der Sache nach. Der Vorstand der Wiener Philharmoniker eierte ein wenig um die Sache herum.
Der Vorwurf lautete: Eine Komponistin – im Neujahrskonzert bisher marginalisiert – eine afroamerikanische Komponistin, bisher von den Philharmonikern nie gespielt, wurde durch das »Arrangement« das ihrem Original nicht Gerecht wurde, nochmals marginalisiert. Zudem wurde Prices Musik förmlich »gewienert« beziehungsweise passend gemacht. Was nicht passte, wurde trotzdem »eingewalztert«.
Ich besorgte mir die Klavierwerke von Florence Price und machte micht dran, die gemeinfreie Musik zu orchestrieren. Der erste Blick in die Noten bestätigte: Nein, das ist kein Wiener Walzer! Es gibt keine langsame Einleitung, das Werk selbst ist eher knapp gehalten. Das Thema des Walzers ist breit und majestätisch, schwingt sich über erweiterte chromatische Harmonik schnell auf, ebbt und staut sich stark bremsend, um dann nochmals loszulegen und den Teil leise zu beenden. All das habe ich in einer Version für den Klangkörper des Rainbow Sound Orchestra Munich versucht einzufangen.
Das erste Trio bleibt im Walzermetrum, es spielt in der Melodik der Oberstimme, hier in die Holzbläser gelegt, mit jazzartigen Artikulationen; die Harmonik kennt Blue Notes, es wirbelt wild durch die Tonarten wie eine Jazz-Combo und schließt zart ab. Dem folgt wieder das Walzer-Hauptthema in Wiederholung des ersten Teils.
Das zweite Trio wirkt dann wie ein Gruß aus der Suite bergamasque von Claude Debussy. Am Ende folgt wieder das Walzer-Hauptthema, das nun richtig aufdreht. Zum Abschluss dann eine Stretta, die an die Rosenkavalier-Walzer-Endungen erinnert; ein übermäßiger Dreiklang bringt das zum Abschluss mit einem strahlenden Schlussakkord.
All das findet sich auch in meiner Orchestrierung wieder, in der Fassung der Wiener Philharmoniker war davon bis auf die Tonart Des-Dur nichts zu finden. Ah, das muss ich noch eingestehen: Ich transponierte die Orchestrierung nach D-Dur, was sie für die Rainbow Sounds spielbarer machte.
Nachdem mein Orchester den Rainbow – ebenso wie der Walzer – im Titel führt, und am 11. Juni 2026 das »Regenbogenkonzert« der Münchener Regenbogenstiftung mit den Münchner Philharmonikern und dem Rainbow Sound Orchestra Munich vor der Tür stand, bot es sich an, hier diese Orchestrierung für Florence Prices Originalkomposition uraufzuführen. Dass erstmals auch eine Ouvertüre in C-Dur von Christian Cannabich wieder erklang, eine weitere kleinere Sensation des Konzerts – und sei nur am Rande erwähnt. Die Besetzung der Orchestrierung von Price’ Walzer sind zweifach besetzte Holzbläser, zwei Hörner, ein bis zwei Trompeten ad libitum, eine ad libitum Posaune, die hier fehlt, Pauken und Streicher. Jederzeit lässt sich das auf eine kleinere oder größere Besetzung verschlanken oder verdichten.

