Montero kritisiert Millionenhilfe der USA für El Sistema

August 22, 2026
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Hugo Chávez mit Gustavo Dudamel und dem Erfinder von El Sistema, José Antonio Abreu.

Die venezolanische Pianistin Gabriela Montero hat die geplante Millionenförderung der USA für das staatliche venezolanische Musikprogramm El Sistema scharf kritisiert.

Nach Angaben der US-Botschaft in Caracas will das Außenministerium gemeinsam mit dem Kongress 57 Millionen Dollar (rund 49 Millionen Euro) für die Fundación Musical Simón Bolívar bereitstellen. Die Stiftung trägt das international bekannte Netzwerk von Kinder- und Jugendorchestern.

Das Geld soll unter anderem dazu dienen, ein bislang unvollendetes, rund 18.000 Quadratmeter großes Ausbildungszentrum für Musikpädagogen fertigzustellen. Außerdem sollen Kultur- und Bildungsprogramme finanziert werden. Die US-Regierung bezeichnet die Unterstützung als Teil ihrer Bemühungen um den langfristigen Wiederaufbau und die wirtschaftliche Stabilisierung Venezuelas.

Scharfe Kritik

Montero reagierte empört. Es sei nicht nachvollziehbar, dass 57 Millionen Dollar amerikanischer Steuergelder an El Sistema gingen, während Kulturorganisationen in den USA um ihre Existenz kämpften und die Bevölkerung Venezuelas unter Hunger, Medikamentenmangel und einem maroden Gesundheitssystem leide. Tatsächlich haben zahlreiche amerikanische Kulturorganisationen zuletzt erhebliche Einbußen bei staatlichen Förderungen hinnehmen müssen. Allein eine aktuelle Erhebung in Neuengland beziffert die Verluste aus öffentlichen und privaten Fördermitteln 2025 auf 13,5 Millionen Dollar und 720 weggefallene Stellen.

Montero wirft El Sistema seit Jahren vor, eng mit der politischen Führung Venezuelas verflochten zu sein und als kulturelles Propagandainstrument zu dienen. Tatsächlich ist die Fundación Musical Simón Bolívar unmittelbar dem venezolanischen Präsidialapparat zugeordnet. Nach dem Tod des El-Sistema-Gründers José Antonio Abreu wurden 2018 unter anderem die damalige Spitzenpolitikerin und heutige Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez sowie Nicolás Maduro Guerra, der Sohn des damaligen Präsidenten Nicolás Maduro, in den Vorstand der Stiftung berufen. El Sistema selbst bestätigte die Besetzungen damals.

Angriffe auf Dudamel

Die Nähe des weltweit gefeierten Musikprojekts zur politischen Führung Venezuelas wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Der britische Musikwissenschaftler Geoffrey Baker erhob bereits 2014 Vorwürfe wegen autoritärer Strukturen und zweifelte die sozialen Erfolgsbilanzen der Organisation an. Später wurden zudem schwere Vorwürfe über sexuellen Missbrauch innerhalb des Systems öffentlich. El Sistema erklärte 2021 seine Solidarität mit möglichen Opfern und kündigte an, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu unterstützen.

Montero griff auch den Dirigenten Gustavo Dudamel an, den prominentesten Absolventen von El Sistema. Er habe international um zusätzliche Unterstützung für das Programm geworben, während Menschen in Venezuela nach den jüngsten schweren Erdbeben noch nach Angehörigen gesucht hätten. Dudamel betont seit Jahren, sich nicht parteipolitisch vereinnahmen lassen zu wollen. Monteros konkreter Vorwurf zu seinem Spendenaufruf lässt sich aus den bislang verfügbaren unabhängigen Quellen allerdings nicht zweifelsfrei bestätigen.

»Waffe der Soft Power«

Die Pianistin verband ihre Kritik mit der weiterhin ungelösten Frage nach dem Ausgang der venezolanischen Präsidentschaftswahl von 2024. Sie forderte, die damals gewählte Regierung endlich ins Amt kommen zu lassen. Das Carter Center, das die Wahl beobachtet hatte, kam zu dem Schluss, dass sie internationalen demokratischen Standards nicht entsprach. Von der Opposition gesammelte Wahlprotokolle aus mehr als 80 Prozent der Wahllokale wiesen demnach auf einen deutlichen Sieg des Oppositionskandidaten Edmundo González Urrutia hin. Die ausgewerteten Protokolle ergaben rund 67 Prozent für González.

»Wenn El Sistema jemals als das entlarvt wurde, was es ist – eine zutiefst politische, vom Regime kontrollierte Waffe der Soft Power –, dann heute«, schrieb Montero. Die 57-Millionen-Dollar-Förderung bezeichnete sie als Unterstützung eines Systems von Korruption und politischer Propaganda.

Die 1975 von José Antonio Abreu gegründete Organisation El Sistema galt über Jahrzehnte international als Vorzeigeprojekt musikalischer Sozialarbeit. Aus ihr gingen zahlreiche international erfolgreiche Musiker hervor, allen voran Dudamel. Nach Angaben der US-Botschaft erreicht das Programm heute mehr als eine Million Kinder und Jugendliche in Venezuela.

Dieser Text ist in der Recherche auch mit Hilfe von KI entstanden. Aber jeder Text wird bei BackstageClassical vor der Veröffentlichung redaktionell überarbeitet.

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