Lieber Hans Zimmer,

Januar 22, 2026
1 min read
Hans Zimmer (Foto: Universal)

ich gestehe, dass mich Ihre Musik meist nicht wirklich berührt. Oft denke ich, dass ich im falschen Film sitze. Mir ist schon klar, das liegt an mir: All die Oscars, Grammys und Golden Globes können nicht irren. Vielleicht liegt es an meiner Wagner-Sozisalisation. John Williams – der kann Wagner. Und Verdi. Und Mozart. Bei Ihnen klingt alles mehr nach Oberfläche, synthetischer – man hört die Konstruktion Ihrer Musik, sieht das Stahl und den Eisen ihrer Architekturen glitzern. 

König der Löwen, Mission Impossible, Pearl Harbor, Gladiator, Fluch der Karibik und Dune – klar: alles Welterfolge. Und die Leute reisen Ihnen entgegen. Die großen Shows, die Sie machen: teuer, spektakulär und rappevoll!

Aber nun wollen Sie John Williams beerben. Sie werden die Filmmusik zur neuen Netflix Harry-Potter-Serie komponieren. Das nenne ich mutig. Hedwig‘s Theme hat Williams schon vor dem Film im Kopf gehabt, beim Casting am Klavier geklimpert – Harry und seine Freunde haben auch durch seine Musik eine Seele bekommen. Weder Patrick Doyle noch Nicholas Hooper oder Alexandre Desplat ist es gelungen, aus seinem Schatten zu treten.

Es ist verrückt, aber ich glaube: Sie schaffen das. Sie werden einen neuen Sound für Hermine, Ron und Harry komponieren. Aber werden Sie Ihnen auch neue Seelen geben? 

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Liebe Buhrufer,

ich war einer von Euch. Was habe ich gebuht, damals, in Stuttgart – beim Ring von vier Regisseuren. Ich habe die Inszenierungen persönlich genommen. Als Beleidigung meiner Wagner-Welt. Ach was: Meines Weltbildes!

Buhs zur »Todesfuge«?

Samstagabend im Stuttgarter Opernhaus: Es gibt Zwischenrufe in der »Meistersinger«-Premiere, ausgerechnet in der »Todesfuge«. Versuch einer Einordnung von Johannes Lachermeier.

Lieber Simon Strauß,

vollkommen legitim, dass Sie Ihre FAZ-Feder spitzen, um Intendant Hinterhäuser im Amt zu halten. Merkwürdig nur, wie Sie das tun: Sie wittern eine Intrige gegen den kongenialen »König« und schieben die Schuld

Der auf den Grenzen tanzt

Biografie eines genialen Exzentrikers: »Pianist – Musiker – Freigeist« heißt ein Buch, in dem sich der Musikwissenschaftler Rüdiger Albrecht den ganz unterschiedlichen Facetten von Friedrich Gulda widmet. Ein exklusiver Vorabdruck bei BackstageClassical.

Dear Yannick Nézet-Séguin,

The conductor defends the clumsy waltz version of Florence Price at the New Year’s Concert — and in doing so also reveals himself.

Tenor Aaron Pegram verstorben

Die Semperoper Dresden trauert um den Tenor Aaron Pegram. Wie das Opernhaus am Montag mitteilte, starb das langjährige Ensemblemitglied am Sonntag in Dresden völlig unerwartet. Pegram gehörte seit der Spielzeit 2009/10 zum

Schlittenfahren mit der Musik 

heute mit einem Neujahrsschwindel, weiteren Entlassungen in der Musikkritik, mit Blicken hinter die Salzburger Festspiel-Kulissen und einer sportlichen Enttäuschung.

Lieber Daniel Froschauer,

Der Vorstand der Wiener Philharmoniker weist Kritik am Arrangement von Florence Prices »Rainbow Waltz« zurück – und macht die Sache damit nur noch schlimmer.

Lieber Michael Andor Brodeur,

Sie sind die gewissenhafte Klassikstimme der Washington Post. Keiner, der große Themen ausgräbt, der Musik in die Mitte der Gesellschaft stellt – aber ein guter Kritiker. Einer der alten Schule.  Nun müssen Sie

Verpassen Sie nicht ...