Die Dirigentin Natalie Stutzmann und die Regisseurinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka haben in Bayreuth mit ihrer Lesart von Wagners Rienzi begeistert – hier blicken sie hinter die Kulissen und erklären Ihre Ansätze.
Stutzmanns Wagner
Die Dirigentin Nathalie Stutzmann sieht Richard Wagners frühe Oper Rienzi als entscheidenden Schritt auf dem Weg zu dessen späteren Musikdramen. »Ohne Rienzi gibt es keinen Ring«, sagte sie im Interview mit BackstageClassical. Zwar stehe das Werk mit seiner monumentalen Besetzung und den Massenszenen noch in der Tradition der französischen Grand opéra. Zugleich seien bereits viele Merkmale des reifen Wagner erkennbar: eine klare musikalische Architektur, chromatische Harmonik, erste Ansätze von Leitmotiven und eine für die Zeit außergewöhnliche Modernität.
Das Werk sei ein „Meisterwerk“, dessen komplexe Orchestrierung und kontrapunktische Anlage den späteren Wagner bereits deutlich vorwegnehme. Die Aufführung bezeichnete Stutzmann als körperlich äußerst anspruchsvoll: Für Dirigat, Orchester, Chor und Solisten gebe es kaum Momente der Entlastung. Trotzdem sei die Begeisterung aller Mitwirkenden für das Werk groß.
Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka
Die Regisseurinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka verstehen ihre Neuinszenierung von Richard Wagners Rienzi nicht als direkte Hitler-Parabel, sondern als Untersuchung populistischer Machtmechanismen. Im Mittelpunkt stehe die Frage, wie ein visionärer Politiker zum Diktator werde und weshalb sich Menschen von charismatischen Führungsfiguren verführen ließen.
Die historische Belastung des Werks und seine Verbindung zum Nationalsozialismus würden dabei bewusst mitgedacht, zugleich solle der Blick auf gegenwärtige und künftige Gefahren gelenkt werden. Eine zentrale Rolle spiele die private Beziehung Rienzis zu seiner Schwester, aus der sich Macht und Abhängigkeit entwickelten.
Zugleich setze die Inszenierung auf selbstironische Brechungen: In einer Ballettszene werden Wagners Opern mit Anklängen an den Humor von Monty Python in kurzer Folge zitiert. Das Spannungsfeld zwischen Utopie und Dystopie ziehe sich durch den gesamten Abend und münde schließlich in ein Bild, das die Selbstinszenierung von Macht und ihre zerstörerischen Folgen miteinander verbindet.

