Lieber Anthony Hopkins,

Juli 11, 2026
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Anthony Hopkins (Foto: Paramount)

Sie sind einer der klügsten und vielleicht auch intellektuellsten Menschen in Hollywood. Wenn Sie Trash spielen, sieht das aus wie Shakespeare, und wenn Sie Shakespeare spielen, zeigen Sie uns den wahrhaftigen Menschen.

Die Schauspielerei allein würde Sie wahrscheinlich langweilen. Bei Ihnen wurde das Asperger-Syndrom diagnostiziert – Sie erklären das als Bereicherung Ihres Lebens. Sie machen so viele Dinge. Sie sind ein wirklich guter Maler und haben sich mit expressionistischen Bildern einen Namen gemacht. Und nun kündigt die DECCA an, dass sie ein Album mit Ihren Kompositionen herausgibt. Musik zu schreiben, das sei Ihnen wirklich wichtig, sagen Sie.

Erste Eindrücke Ihrer Arbeit gibt es auch schon: Klavier und Orchester. Ein bisschen Jazz. Ein bisschen kitschig. So, als würde man Musikstudenten zum ersten Mal die Aufgabe stellen: »Schreibt mal was in der Richtung Gustav Mahler – nur etwas beruhigender.«

Sagen wir es so: Ihre Schauspielerei ist Weltklasse, Ihre Malerei ist wirklich großartig – Ihre Kompositionen sind eher lieblich.
Die Leute werden Sie für das neue Album trotzdem feiern. Überall wird bereits Werbung gemacht. Und klar: Wenn die Menschen es wollen – warum auch nicht? Charlie Chaplin hat ebenfalls anständig komponiert, ebenso Clint Eastwood. Erstaunlich: In der Musik werden Sie alle sanft. Hier scheinen sich die Konflikte der Bühne aufzulösen. Hier entstehen Welten der Ruhe. Hier wird der Abgrund seicht.

Ich gönne Ihnen Ihre Aufnahme. Auch, dass Gustavo Dudamel dirigiert. Die Aufnahme ist ein Geschenk für Sie, so wie Ihre Schauspielerei ein Geschenk für uns alle ist.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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