Er schenkte der Musik die Bilder

Mai 24, 2026
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Er hat nicht nur die Drei Tenöre in Szene gesetzt, sondern die gesamte Musikwelt von New York bis Wien. Nun ist Regisseur Brian Large im Alter von 87 Jahren verstorben.

2019 in einem Kino in Wien: Brian Large hat sich noch einmal seine wohl erfolgreichste Arbeit angeschaut: das Konzert der Drei Tenöre in Caracalla. Ich habe sie ihm damals für eine ZDF/ARTE-Dokumentation über die Drei Tenöre vorgeführt. Auch 30 Jahre nach dem Ereignis dirigierte Large das ganze Konzert mit und schien sich an jeden einzelnen Einsatz zu erinnern. Er erzählte – im typischen Large Pianissimo – vom technischen Aufwand, den das Fernsehen damals für die Klassik auf sich genommen hatte: von fahrbaren, bemannten Kameras, die durch das Orchester glitten, von Kränen, die den Nachthimmel Roms filmten, und von Einstellungen, die den Drei Tenören so nahe wie möglich kamen. Mehr Intimität konnte man den 800 Millionen (!!!) Zuschauerinnen und Zuschauern weltweit an diesem Abend einfach nicht bieten!

Nun ist Brian Large im Alter von 87 Jahren gestorben. Er hat die Bewegtbilder der Klassik geprägt wie kein anderer: Allen voran natürlich der Ring des Nibelungen von Patrice Chereau in Bayreuth, aber auch die Tosca von 1992, die zwischen Theater und Kino pendelte, der frühe Fliegende Holländer mit José van Dam, zahlreiche Live-Aufnahmen aus der Met, New York oder Wien wie Norma, Roberto Devereux, Don Giovanni oder La Rondine. Dann natürlich die TV-Doku Horowitz in Moscow und zahlreichen Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker. Was Larges Klassik-Filme so besonders gemacht hat: ihre Nähe und dass stets die Musik Grundlage seiner Bilder war. Er war der Steven Spielberg der Klassik!

Der Große Inspirator

Selten habe ich in wenigen Stunden – damals, als wir uns in Wien unterhalten haben – mehr über das Filmemachen gelernt als im Gespräch mit ihm. Über Timing und Perspektiven, über Opulenz und Intimität – nichts, aber auch gar nichts, geschah bei Large zufällig. Und gerade das hat seine Filme so »zufällig«, so authentisch, so nahbar aussehen lassen.

Larges Meisterwerk: Die Drei Tenöre in Rom

Large liebte seine Künstlerinnen und Künstler. Über Leonard Bernstein sagte er: »Lenny war eine Naturgewalt« und ergänzte: »Er atmete Musik.« Zugleich betonte er seine Rolle als Vermittler: »Ich war da als eine Art Übermittler, um die Öffentlichkeit in die Lage zu versetzen, einen Mann zu erleben und festzuhalten, der ein Genie war.« In einer Würdigung sagte Large selbst einmal: »Wir leben in einer sehr gewalttätigen Zeit, und wenn es uns gelingt, für ein paar Momente eine andere Botschaft, eine andere Geschichte zu schaffen, zurückzugehen und zu sagen: ‚Ist das nicht schön?‘, dann hat sich unsere Arbeit gelohnt.«

Kultureller Auftrag

Der 1939 in London geborene Large kam über die Musik zum Fernsehen und machte sich früh einen Namen mit Aufzeichnungen von Opern und Konzerten.

Der Regisseur Brian Large schaut seinen eigenen Film (Foto BC)

Large verstand Musikübertragung als kulturellen Auftrag. »Ich habe immer darauf bestanden, dass eines der größten Dinge, die Musik leisten kann, darin besteht, Harmonie, Frieden und Respekt vor dem menschlichen Leben zu fördern«, sagte er einmal. »Ich hoffe, dass jedes Konzert, das ich gemacht habe, jedes Stück Musik, das ich gemacht habe, in dieser Absicht entstanden ist.«

Mit Brian Large verliert die Musikwelt einen Pionier, der Oper und Konzert mit filmischer Präzision einem breiten Publikum erschloss. Sein Werk bleibt ein wichtiges Archiv der klassischen Musik im Fernsehen.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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