Der Publizist Michel Friedman wird bei der Gedenkveranstaltung «Verstummte Stimmen» der Bayreuther Festspiele eine Rede halten. Die Veranstaltung ist für den 26. Juli 2026 um 10.30 Uhr im Festspielhaus geplant, einen Tag nach der Eröffnung der Jubiläumsausgabe zum 150-jährigen Bestehen der Festspiele.
Friedman spricht unter dem Titel «Über Bayreuth, über Deutschland. Versuch einer Gesellschaftsanalyse». Dabei soll er die historische Verantwortung Bayreuths in den Zusammenhang von deutscher Geschichte und Gegenwart stellen. Nach Angaben der Festspiele erklärte sich Friedman trotz der Ereignisse der vergangenen Wochen, die die öffentliche Wahrnehmung der Veranstaltung belastet hätten, erneut zu der Rede bereit.
Für den musikalischen Rahmen sind Richard Wagners «Siegfried-Idyll», das Bläserquintett op. 10 von Pavel Haas und das Klavierquartett a-Moll von Gustav Mahler vorgesehen. Die musikalische Leitung übernimmt Dirigent Semyon Bychkov.
Die Gedenkveranstaltung war zuvor Gegenstand heftiger öffentlicher Kritik. Eine zwischenzeitliche Absage aus Sicherheitsgründen wurde von Festspielleiterin Katharina Wagner nach Bekanntwerden der Entscheidung wieder rückgängig gemacht. Bayerns Kunstminister Markus Blume bezeichnete den Umgang der Festspiele mit Friedman als «mehr als unglücklich». Auch der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, sowie Kulturstaatsminister Wolfram Weimer kritisierten die Absage.
Mit «Verstummte Stimmen» wollen die Festspiele an jüdische Künstlerinnen und Künstler erinnern, deren Wirken in Bayreuth durch Antisemitismus und Verfolgung beendet wurde. Viele von ihnen wurden während der nationalsozialistischen Herrschaft ermordet. Zugleich soll die historische Verantwortung der Festspiele angesichts der antisemitischen Schriften Richard Wagners und der späteren Verflechtungen der Festspiele und von Teilen der Familie Wagner mit dem Nationalsozialismus thematisiert werden.
Die Auseinandersetzung mit den dunklen Seiten der Festspielgeschichte sei für sie als Festspielleiterin von zentraler Bedeutung, erklärte Katharina Wagner.

