Chialo will Komische Oper retten – kann er das?

September 3, 2024
1 min read
(Foto: Collage BC)

Der Berliner Kultursenator Joe Chialo (CDU) lehnt eine Schließung der Komischen Oper ab, sagte er gestern im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses. Aber kann er sich damit durchsetzen?

Die Komische Oper sei ein Kulturgut, das er erhalten wolle, sagte Joe Chialo. Er halte nichts von Gedankenspielen, die als Konsequenz ihre Schließung zur Folge hätten. Es müsse aber erlaubt sein, über verschiedene Modelle nachzudenken, auch zur Finanzierung der Komischen Oper. Wie so oft: Details nannte der Kultursenator nicht. Und fraglich ist, ob sich Chialo mit dieser  Willensbekundung auch gegen den Rest des Senates durchsetzen kann.

Berlin muss im kommenden Jahr drei Milliarden Euro einsparen. Davon sollen mehr als 100 Millionen Euro in der Kultur gespart werden. Und der freien Kulturszene hat Chialo ebenfalls bereits Zusicherungen gemacht. Nach dem angedrohten Baustopp an der Komischen Oper blieb er indes lange still und irritierte dadurch nicht nur die Intendanz und das Publikum.

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte in einer Pressekonferent im August gesagt, dass die Situation keine Denkverbote zulasse. Wegner wiederholte das auch im Zusammenhang mit der Komischen Oper. Die Koalition werde jeden einzelnen Punkt genau anschauen, »welche Einsparmöglichkeiten bringt uns das und welche Kosten werden dadurch vielleicht neu entstehen?« 

Wegner hatte sich bereits einmal gegen Chialo durchgesetzt, damals aber zum Guten: Er folgte dem Wunsch des Kultursenators nicht, sich von der Staatssekretärin Sarah Wedl-Wilson zu trennen. Chialos öffentliche Äußerungen hatten bislang ebenfalls wenig Substanz – am Ende hat man bei ihm zuweilen das Gefühl, dass alles seinen Ambitionen untergeordnet wird, Claudia Roth im Kanzleramt zu beerben.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Neef bleibt Paris treu

Der Deutsche Alexander Neef bleibt bis 2032 Generaldirektor der Pariser Nationaloper. Frankreichs Staatspräsident hat den 2020 angetretenen Opernmanager auf Vorschlag von Kulturministerin Catherine Pégard für eine zweite sechsjährige Amtszeit bestätigt. Das teilte

Nicht jeder will abgeholt werden

Die Debatte über Techno und Klassik greift zu kurz. Junge Menschen sind keine einheitliche Zielgruppe: Während neue Formate Publikum gewinnen, fühlen sich klassikaffine Jugendliche oft übersehen. Eine Replik.

Halten wir den Ball flach!

Der Newsletter: Zwei Intendanten schreiben bei BackstageClassical über ihren Blick auf den Betrieb, wir kümmern uns um Verstimmungen am Mozarteum und um Levits Hammerbanden-Klavier, um die Zukunft in Salzburg und blicken in

Lieber Igor Levit,

Igor Levit und Danger Dan dürfen beim ZDF nicht auftreten – nun stilisieren sie sich zum Opfer. So geht PR.

Stagniert Salzburgs Findungsprozess?

Alte Intendanten-Haudegen buhlen um die Intendanz, Sarah Wedl-Wilson winkt als Präsidentin ab. Die Suche nach einer neuen Festspieführung wirkt irgendwie lähmend. Es fehlt an Mut und Ideen. 

Verpassen Sie nicht ...