Bitte keine Kritik an Currentzis

Oktober 15, 2024
1 min read
Der Dirigent Teodor Currentzis (Foto: SWR)

Das Berliner Konzert von Teodor Currentzis verkauft sich schleppend. Die Konzertdirektion Adler half mit einer Facebook-Kampagne nach. Unliebsame Kommentare sind verschwunden.

Was war denn da los? Im Oktober soll der auf Grund seiner Russland-Kontakte umstrittene Dirigent Teodor Currentzis in der Berliner Philharmonie auftreten. Doch so richtig gut scheinen sich die Tickets nicht zu verkaufen. Ein Blick auf den Saalplan zeigt, dass die Verkaufszahlen eher bescheiden sind. Das Konzert mit dem Orchester Utopia am 23. Oktober mit Gustav Mahlers 5. Symphonie ist äußerst schlecht verkauft (siehe Bild). 

Saalplan des Konzertes am 23.10. (aufgenommen am 15.10., 21:01)

Anfang Oktober hat die Konzert-Direktion Adler eine Werbekampagne auf Facebook für die Currentzis-Konzerte gestartet. Der Text begann mit einem Emoji, dem das Gehirn wegfliegt (🤯) und las sich so: »Konzerte unter dem Dirigat von Teodor Currentzis sind nicht nur Konzerte, sondern Erlebnisse der suggestiven Art.«

Offensichtlich kam dieses PR-Blabla bei Facebook-Usern nicht so gut an. Schnell mehrten sich unter dem Post kritische Stimmen von ganz unterschiedlichen Autorinnen und Autoren: »Eine Schande«, war da zu lesen, oder »Currentzis ist ein unerträglicher Selbstdarsteller«, jemand kommentierte »Ist nur Wirtschaft!«, ein anderer: »Protest! Teodor Currentzis hat sich bisher nicht vom Angriffskrieg des Massenmörders Putin distanziert!«. Unter dem letztem Post entwickelte sich sogar eine sehr sachliche Diskussion über das Pro und Contra von Currentzis-Konzerten. 

Screenshots der öffentlichen Kommentare unter der Anzeige.

Doch gestern waren all diese Kommentare plötzlich nicht mehr zu lesen. Am Dienstag, den 15. Oktober um 9:00 gab es nur noch einen Kommentar: »Toll! Ich freue mich sehr auf die Konzerte mit diesem großen Künstler und seinem phantastischen Orchester Utopia – ihr Wirken verbindet Menschen.« BackstageClassical hat bei der Konzert-Direktion Adler angefragt, wie es zum kommentarlosen Verschwinden der Kommentare gekommen ist. Doch es kam – wie bereits bei vorigen Anfragen zum Thema Currentzis – keine Antwort. Auch auf telefonische Nachfrage war niemand, der zuständig war bei der Agentur für uns zu erreichen. Nach unserer Anfrage war die Facebook-Werbung für uns nicht mehr auffindbar. 

All das wirft Fragen auf: Natürlich kann jeder Konzerte mit Teodor Currentzis veranstalten, und natürlich kann auch jeder seinen Facebook-Account kuratieren, wie er will. Kommentare aber erst stehen zu lassen und dann ohne Begründung zu löschen – und nicht auf Anfragen zu antworten, erscheint doch ein eher merkwürdiges Gebaren zu sein. Seit die ehrwürdige Konzert-Direktion Adler einen Bund mit München Musik eingegangen ist, hat sie offenbar einen großen Teil Ihres alten Charmes verloren.

In einer früheren Anfrage an die Berliner Philharmonie hat deren Pressesprecherin gegenüber BackstageClassical erklärt, dass man selber keine Möglichkeiten habe, auf Programm und Protagonisten der von der Konzert-Direktion Adler organisierten Konzerte in der Philharmonie einzugreifen.

BackstageClassical

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