Bachfest-Mitarbeiterin wirft Gardiner Übergriffigkeit vor

Juni 22, 2026
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John Eliot Gardiner (Foto: Salzburger Festspiele, Clarke)

Beim Bachfest Leipzig ist Dirigent John Eliot Gardiner mit Vorwürfen grenzüberschreitenden Verhaltens konfrontiert. Während eine Mitarbeiterin von einem Übergriff spricht, verweist Gardiner auf ein Missverständnis.

Nach einem Vorfall beim Bachfest Leipzig sieht sich der britische Dirigent Sir John Eliot Gardiner mit Vorwürfen grenzüberschreitenden Verhaltens gegenüber einer Festivalmitarbeiterin konfrontiert. Das Bach-Archiv Leipzig bestätigte einen entsprechenden Vorfall während eines Konzerts in der Thomaskirche und kündigte eine interne Aufarbeitung sowie mögliche Konsequenzen an.

Nach Angaben der betroffenen Mitarbeiterin soll Gardiner ihr beim Schlussapplaus eine überreichte Gedenkurkunde in das T-Shirt gesteckt haben. Die Frau wertete das Verhalten als Übergriff und erstattete nach Angaben des MDR Strafanzeige. Das Bach-Archiv sprach in einer Stellungnahme von einem »grenzüberschreitenden Verhalten«. Demnach habe der Dirigent die ihm überreichte Schriftrolle nicht annehmen wollen und versucht, sie stattdessen der Mitarbeiterin an die Kleidung zu stecken. Das Festival teilte mit, die Betroffene sei anschließend betreut und ihr psychologische Unterstützung angeboten worden. Zudem werde geprüft, ob Gardiner künftig nicht mehr zum Bachfest eingeladen werde. Ein Awareness- und Schutzkonzept solle erarbeitet werden.

Zwei Perspektiven auf den gleichen Vorfall

Gardiner weist die Vorwürfe zurück. In einer über seinen Sprecher verbreiteten Erklärung erklärte der 83-Jährige, er sei »schockiert und fassungslos« über die Darstellung eines sexuellen Übergriffs oder eines Übergriffs jeglicher Art. Er schilderte den Ablauf als Missverständnis: Während des Applauses sei er unerwartet an der Schulter berührt worden und habe nicht verstanden, was ihm überreicht werde. Da die Mitarbeiterin beide Hände voll gehabt habe, habe er die Schriftrolle hinter ihrer Halskette platziert, um sie zurückzugeben. Später habe er erfahren, dass die Frau den Vorfall als belastend empfunden habe, und um ein Gespräch gebeten, um sich zu entschuldigen.

Tatsächlich ist auf dem Video zu sehen, wie Gardiner eine Rolle überreicht bekommt und sie der Mitarbeiterin in das Hemd stecken will (er sagt: »hinter die Kette«) – diese weist die Aktion beim ersten Mal zurück, nimmt die Rolle dann aber in die Hand und setzt das Verteilen der Rollen fort.

Weitere Konsequenzen werden geprüft

Nach Angaben des Bach-Archivs fand am Tag nach dem Konzert ein Gespräch mit Gardiner statt. Dabei habe der Dirigent sein Fehlverhalten eingeräumt und sich entschuldigt. Die betroffene Mitarbeiterin war nach Angaben des Festivals nicht persönlich anwesend, sondern ließ sich durch Vertrauenspersonen vertreten. Gardiner erklärte seinerseits, mehrere anwesende Musiker hätten seine Darstellung bestätigt. Er bedaure jede unbeabsichtigt verursachte Belastung und habe sich persönlich entschuldigt.

Der Dirigent zählt zu den bekanntesten Interpreten der Musik Johann Sebastian Bachs und war dem Bachfest über viele Jahre eng verbunden. Bereits 2023 hatte Gardiner international Schlagzeilen gemacht, nachdem er nach einer Opernaufführung einen Sänger körperlich angegangen haben soll. Damals räumte er Fehlverhalten ein und kündigte an, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Stellungnahme des Bach-Archivs:

Am 16. Juni hat es am Ende eines Konzertes im Rahmen des Bachfestes einen Vorfall von grenzüberschreitenden Verhalten eines Dirigenten gegenüber einer Mitarbeiterin unseres Veranstaltungsteams gegeben. Die Situation ereignete sich im Rahmen der Applausordnung auf der Empore der Thomaskirche. Mit der Betroffenen wurden nach Bekanntwerden des Vorfalls Gespräche geführt sowie psychologische Unterstützung angeboten. Der Dirigent hat sie um Entschuldigung gebeten und sein Fehlverhalten eingeräumt.

Direktor Peter Wollny und Intendant Michael Maul haben in einer kurzfristig einberufenen Team-Versammlung das Fehlverhalten benannt und verurteilt. Der Vorstand wird den Vorfall nach dem Abschluss des Bachfestes mit der gebotenen Sorgfalt auswerten und Maßnahmen für ein sicheres Arbeitsumfeld ausbauen.

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