Gehen wir einmal davon aus, dass Peter de Caluwe neuer Festspielintendant in Salzburg wird. Dann zeigt das allerhand.
Erst einmal: dass die Findungskommission sehr gut gearbeitet hat. Denn der Name stand – außer bei uns 🙂 – auf kaum einem Plan.
Dabei ist de Caluwe eine logische Wahl: Er hatte sich damals gegen Hinterhäuser noch nicht durchgesetzt, aber in der Zwischenzeit in Brüssel immer wieder gezeigt, was er kann: bestes Opernhaus, bester Manager! Passt.
Ein wenig zum Schmunzeln ist, wie sehr viele österreichische Medien im Dunkeln getappt sind: Der »Kurier« hatte noch bis zuletzt erklärt, de Lint und Kosky würden die Sache reißen, und niemand lag so sehr daneben wie die »Kronen Zeitung«, die zunächst aus dem Nichts Lotte de Beer ins Spiel brachte und dann ebenfalls bis zuletzt ihren Leserinnen und Lesern Barrie Kosky verkaufte. Und natürlich auch ganz vorn dabei im lauten Ratespiel: Heinz Sichrovsky von »News«.
Glaubt man den Berichten, sind die Verhandlungen mit de Lint und Kosky eventuell auch auf der Zielgeraden gescheitert, weil die Bewerbung eher eine Art Steigbügel-Bewerbung war. De Lint fuhr auf Koskys Ticket, und der hätte sich an ihrer Seite einige Inszenierungen gesichert. Daraus wird nun wohl nichts. Passt.
So mancher Journalist in Österreich wird nun aus dem Hintern, auf den er bereits gesetzt hatte, wieder herauskriechen und einen neuen suchen müssen. Vorher aber tackert er seinem Ex-Intendanten vielleicht noch einen weiteren Operettenorden an.
Die aktuelle Entwicklung bei den Salzburger Festspielen zeigt uns auch dass seriöser Journalismus, der auf Fakten und Hintergrundwissen basiert, in der Kultur selten geworden ist. Schon beim Streit um das Verhalten von Markus Hinterhäuser war vieles in erster Linie: Stimmung. Es gibt viele Seilschaften und viele, präpotente Wichtigtuer.
Die Salzburger Findungskommission hat sich durch all das offenbar nicht irritieren lassen. Passt.


