Auf der Bühne der Metropolitan Opera singen – und am Ende finanziell mit leeren Händen nach Hause gehen. Der amerikanische Bassist Andrew Potter zieht mit 43 Jahren in einem Brief an die Seite Opera Wire Konsequenzen aus den Arbeitsbedingungen im US-Opernbetrieb und beendet seine Karriere auf der Opernbühne.
»Ich sang an der Metropolitan Opera und kam mit nichts nach Hause«, schreibt Potter in einem offenen Brief für das Fachportal »OperaWire«. 16 Jahre habe er als Opernsänger gearbeitet. Nun höre er auf – nicht, weil seine Stimme versage oder weil er die Oper nicht mehr liebe. »Sondern weil die Branche versagt hat.«
Potter schildert ein Engagement als Cover für Timur in Puccinis »Turandot« an der Met. Für die Arbeit musste er nach New York reisen und dort seine Unterkunft selbst bezahlen. Weil ihn sein Sohn begleitete, suchte er eine Wohnung. Die zunächst gebuchte Unterkunft erwies sich nach seinen Angaben als Betrug. Kurzfristig notwendige Hotels und andere Unterkünfte verschlangen schließlich einen großen Teil seiner Gage.
Für Potter ist das kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines Systems. Während Mieten, Reisen und Lebenshaltungskosten stark gestiegen seien, hätten sich die Gagen für Sänger kaum entwickelt. Dazu kämen Agenturprovisionen sowie häufig selbst bezahlte Reisen und Unterkünfte. Das Prestige eines großen Hauses ersetze keine angemessene Bezahlung.
Andere Fälle
Zuletzt hatte selbst Jonas Kaufmann erklärt, vorerst nicht mehr am Royal Opera House in London singen zu wollen. Die dort gezahlten Gagen stünden angesichts der hohen Kosten für eine Unterkunft in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zum Aufwand. Besonders für jüngere Sänger werde das zum Problem: Während Mieten und Lebenshaltungskosten steigen, hätten sich die Honorare kaum entsprechend entwickelt.
Auch an der Metropolitan Opera ist das Problem nicht neu. Der amerikanische Bassbariton Kyle Albertson berichtete bereits während der Corona-Pandemie, dass große US-Häuser wie die Met zwar in der Regel die Anreise bezahlten, nicht aber die Unterkunft. Für ein dreieinhalbmonatiges Engagement in New York musste er deshalb selbst eine Wohnung finanzieren.
Besonders hart treffe das Sänger mit Familien. Sie könnten ihre Kinder für Wochen oder Monate zu Hause lassen – oder sie mitnehmen und dafür einen erheblichen Teil ihrer Gage ausgeben. Potter berichtet von einem weiteren Angebot für ein Debüt auf der Hauptbühne eines großen Opernhauses. Das Engagement hätte sich über Thanksgiving, Weihnachten und Neujahr erstreckt. Auch dort hätte er seine Unterkunft selbst bezahlen müssen.
Gewächshaus statt Opernhaus
Potter fordert die Opernhäuser auf, Künstler angemessen zu bezahlen und Reise- sowie Unterkunftskosten zu übernehmen. Ganz aus dem Berufsleben zieht sich Potter nicht zurück. Künftig will er für ein Unternehmen arbeiten, das Gewächshäuser mit der Abwärme von Rechenzentren betreibt. Der Oper bleibe er verbunden. Sein Abschied mit 43 Jahren sei kein Abschied von der Kunst, schreibt Potter, sondern von einem Geschäftsmodell, in dem selbst ein Engagement an einem der berühmtesten Opernhäuser der Welt bedeuten könne: singen – und mit nichts nach Hause kommen.
Dieser Text ist in der Recherche auch mit Hilfe von KI entstanden. Aber jeder Text wird bei BackstageClassical vor der Veröffentlichung redaktionell überarbeitet.

