Aida ohne Seekrankheit

Dezember 13, 2025
1 min read
Florian Lutz‘ Aida iauf der Raumbühne in Kassel (Foto: Theater Kassel, Sebastian Hannak)

Kassel reagiert auf Kritik und verzichtet vorerst auf die Videos in seiner Aida-Produktion. Das Verhältnis zwischen Intendant und Orchester bleibt zerrüttet.

English summary: Kassel responds to criticism and, for the time being, dispenses with the videos in its Aida production. The relationship between the artistic director and the orchestra remains fractured.

Die Oper Kassel zeigt ihre umstrittene Neuproduktion von Giuseppe Verdis Aida vorerst ohne die ursprünglich vorgesehenen Videoprojektionen, nachdem Orchestermusiker über gesundheitliche Beschwerden geklagt hatten. Die Entscheidung folgt anhaltender Kritik aus dem Staatsorchester, das flackernde und sehr helle Projektionen im Interimsspielort als unzumutbare Arbeitsbedingungen bezeichnet hatte.

Mehrere Mitglieder des Staatsorchesters berichteten von Kopfschmerzen, Übelkeit und starker Konzentrationsbelastung durch die großflächigen, schnellen Videoeffekte in der neuen Kasseler Interimsspielstätte. Die Theaterleitung hatte zwar bereits Anpassungen an Bildfrequenz und Helligkeit vorgenommen, diese reichten nach Einschätzung der Musikerinnen und Musiker jedoch nicht aus.

Das Staatstheater kündigte an, die nächsten Aida-Vorstellungen im Interim ohne Videoinstallationen zu spielen, um dem Gesundheitsschutz des Orchesters nachzukommen. Größere technische Änderungen an der Inszenierung sollen frühestens im neuen Jahr erfolgen, weil der enge Spielplan und begrenzte Ressourcen aktuell Umbauten erschweren.

Mehr zum Thema:

Die von Intendant Florian Lutz verantwortete Produktion verlegt Verdis Aida auf ein all-inclusive Kreuzfahrtschiff und arbeitet stark mit bewegten Projektionen und wechselnden Blickachsen im Raum. Die Eröffnungsinszenierung der neuen Interimsspielstätte war von Beginn an als visuell und technisch aufwendiges Musiktheater konzipiert und sollte die Möglichkeiten des provisorischen Opernhauses demonstrieren.

Die Auseinandersetzung um Aida fällt in eine Phase, in der das Verhältnis zwischen Orchester und künstlerischer Leitung bereits als angespannt gilt. Musikervertreter kritisieren seit Längerem, der Fokus liege zu stark auf Effekten und weniger auf den musikalischen Belangen, während die Theaterleitung auf künstlerische Freiheit und neue Formen des Musiktheaters verweist.

Text wurde zum Teil mit Hilfe von KI verfasst

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Lieber Kai Goliath Gniffke,

na, da haben Sie aber wieder einen rausgehauen! Die Qualitätsmedien müssten ihre Perspektive überdenken, haben Sie der katholischen Nachrichtenagentur gesagt: »Wir sind Anwalt der Wirklichkeit und nicht Anwalt der vermeintlich Schwachen, der

Ulrich Peters als Interimsintendant in Coburg

Das Landestheater Coburg bekommt einen neuen Intendanten: Der Theatermacher Ulrich Peters übernimmt mit Wirkung zum 1. Juni die Interimsintendanz und wird damit Nachfolger von Neil Barry Moss.

Brüssel streitet über Shani

Streit um Lahav Shani in Brüssel: Rücktritte im Bozar‑Aufsichtsrat, politische Vorwürfe und Boykottdebatten eskalieren. Der Dirigent gerät zwischen Kultur, Kritik und Nahostkonflikt.

Performatives Gähnen?

Podcast Live vom Deutschen Orchestertag: Dieses mal geht es hoch her zwischen Hannah Schmidt und Axel Brüggemann. Sie debattieren über Skandale, die Zukunft der Orchester und einen Notfonds für Kulturinstitutionen.

Erst Kultur-Club, dann Oper

Auf dem Grundstück des ehemaligen Kaufhofs am Wehrhahn in Düsseldorf soll in einigen Jahren das neue Opernhaus der Stadt entstehen; noch in diesem Sommer aber könnte bereits die Dachterrasse als provisorischer Kulturort

 Der Verbrenner-Motor der Klassik

Selbst bei Christian Thielemann bleiben inzwischen Plätze leer. Große Namen garantieren nicht mehr automatisch volle Häuser. Es wäre gefährlich, das zu ignorieren. Die Klassik droht, den Wandel zu verpennen.

Marien-Erscheinungen

Korngolds »Die tote Stadt« an der Staatsoper Hannover wurde in einer gleichermaßen durchdachten wie originellen Neuinszenierung zu einem Triumph.

Die Reichsbürger der Kultur

Ist Milo Rau der neue Schlingensief? Natürlich nicht! Ihm oder Florentina Holzinger fehlt es an Schalk, an Humor und an Schlingensiefs grundsätzlichem Verständnis von Kunst.

Verpassen Sie nicht ...